Artikel (Archiv) > „Wir dürfen nicht schreiben, wie wir wollen...“

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Rudolf Hilferding

„Wir dürfen nicht schreiben, wie wir wollen...“

Sebastian Henneke • 21. September 2006

Nach der Promotion zum Dr. med. und seiner kurzfristigen Arbeit als Kinderarzt lehrte Hilferding 1906/07 an der Parteischule der SPD in Berlin. Von da an arbeitete er bis zu seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg für den "vorwärts". Seine Tätigkeit für die Parteizeitung lässt sich besonders an Hand seines leidenschaftlichen Engagements in der Auseinandersetzung mit dem Parteivorstand belegen. Während der sich mit fortlaufender Kriegsdauer verschärfender Zensur näherte sich Hilferding als führendes Redaktionsmitglied mehr und mehr der links-zentristischen Minderheit in der Reichstagsfraktion an.

Kampf mit dem Vorstand

Hilferding beteuert stellvertretend für alle Redakteure des "Vorwärts": "Wir dürfen nicht schreiben, wie wir wollen, aber anders schreiben können wir nicht." Der Parteivorstand wurde durch die redaktionelle Haltung mehrfach in arge Bedrängnis gebracht. So musste er beim Reichsinnenministerium um die Freigabe verbotener Ausgaben bitten und für die Zukunft Besserung geloben.

Mit Leidenschaft für den "Vorwärts"

Hilferding setzte sich in den Sitzungen des Parteivorstandes leidenschaftlich für den "Vorwärts" ein. So forderte er die uneingeschränkte Unterstützung des für die regierungskritischen Artikel im August 1914. Die Zukunft der sozialdemokratischen Bewegung stehe auf dem Spiel, so die Meinung der Redaktion. Die Parteiführung sah keine Chance, Hilferding und seine Kollegen zu disziplinieren, da sie Gegenreaktionen aus der Parteibasis fürchteten.

Seine anschließenden Erfahrungen als Feldarzt in der österreichisch-ungarischen Armee unterstrichen seine generelle anti-militaristische Grundhaltung und veranlassten ihn ab 1917 für die USPD zu kämpfen. Von 1918 bis 1923 war Hilferding Chefredakteur des "vorwärts" Konkurrenzblattes "Die Freiheit", der Zeitung der Unabhängigen SPD.

Einmal USPD und zurück

Nach der von ihm unterstützten Wiederangliederung an die MSPD begann für Rudolf Hilferdings die politische Karriere. Im Kabinett Stresemann übernahm er für kurze Zeit das Amt des Reichsfinanzministers. Von 1924 bis 1933 saß er als Abgeordneter im Reichstag. Unter Reichskanzler Hermann Müller (SPD) wurde er abermals zum Reichsfinanzminister berufen, musste aber in Folge des Schwarzen Freitags - dem Börsencrash in New York - zurücktreten.

Verfolgung und Tod

Nach seiner Ausbürgerung durch die Nazis 1933, floh Hilferding über Zürich nach Frankreich. Als Mitglied des Exilparteivorstandes war er weiterhin am Kampf gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Nach der Besetzung Frankreichs wurde Hilferding in Marseille festgenommen und nahm sich im Gestapogefägnis Le Santè in Paris am 10.Februar 1941 das Leben.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Econ Verlag

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“