Nach der Promotion zum Dr. med. und seiner kurzfristigen Arbeit als Kinderarzt lehrte Hilferding 1906/07 an der Parteischule der SPD in Berlin. Von da an arbeitete er bis zu seinem Einsatz im
Ersten Weltkrieg für den "vorwärts". Seine Tätigkeit für die Parteizeitung lässt sich besonders an Hand seines leidenschaftlichen Engagements in der Auseinandersetzung mit dem Parteivorstand
belegen. Während der sich mit fortlaufender Kriegsdauer verschärfender Zensur näherte sich Hilferding als führendes Redaktionsmitglied mehr und mehr der links-zentristischen Minderheit in der
Reichstagsfraktion an.
Kampf mit dem Vorstand
Hilferding beteuert stellvertretend für alle Redakteure des "Vorwärts": "Wir dürfen nicht schreiben, wie wir wollen, aber anders schreiben können wir nicht." Der Parteivorstand wurde durch
die redaktionelle Haltung mehrfach in arge Bedrängnis gebracht. So musste er beim Reichsinnenministerium um die Freigabe verbotener Ausgaben bitten und für die Zukunft Besserung geloben.
Mit Leidenschaft für den "Vorwärts"
Hilferding setzte sich in den Sitzungen des Parteivorstandes leidenschaftlich für den "Vorwärts" ein. So forderte er die uneingeschränkte Unterstützung des für die regierungskritischen
Artikel im August 1914. Die Zukunft der sozialdemokratischen Bewegung stehe auf dem Spiel, so die Meinung der Redaktion. Die Parteiführung sah keine Chance, Hilferding und seine Kollegen zu
disziplinieren, da sie Gegenreaktionen aus der Parteibasis fürchteten.
Seine anschließenden Erfahrungen als Feldarzt in der österreichisch-ungarischen Armee unterstrichen seine generelle anti-militaristische Grundhaltung und veranlassten ihn ab 1917 für die
USPD zu kämpfen. Von 1918 bis 1923 war Hilferding Chefredakteur des "vorwärts" Konkurrenzblattes "Die Freiheit", der Zeitung der Unabhängigen SPD.
Einmal USPD und zurück
Nach der von ihm unterstützten Wiederangliederung an die MSPD begann für Rudolf Hilferdings die politische Karriere. Im Kabinett Stresemann übernahm er für kurze Zeit das Amt des
Reichsfinanzministers. Von 1924 bis 1933 saß er als Abgeordneter im Reichstag. Unter Reichskanzler Hermann Müller (SPD) wurde er abermals zum Reichsfinanzminister berufen, musste aber in Folge
des Schwarzen Freitags - dem Börsencrash in New York - zurücktreten.
Verfolgung und Tod
Nach seiner Ausbürgerung durch die Nazis 1933, floh Hilferding über Zürich nach Frankreich. Als Mitglied des Exilparteivorstandes war er weiterhin am Kampf gegen den Nationalsozialismus
beteiligt. Nach der Besetzung Frankreichs wurde Hilferding in Marseille festgenommen und nahm sich im Gestapogefägnis Le Santè in Paris am 10.Februar 1941 das Leben.







