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Freiwilligkeit ist ein stumpfes Schwert

Vera Rosigkeit • 18. July 2008

Christel_Humme, spdfraktion.de
Christel_Humme, spdfraktion.de

vorwaerts-online: Ein Ziel der SPD ist die gleichberechtigte und gerechte Teilhabe von Frauen in der Arbeitswelt. 2001 hat die rot-grüne Bundesregierung mit den Spitzenverbänden der Deutschen Wirtschaft eine freiwillige Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft geschlossen. Hat die Vereinbarung Fortschritte in Richtung Gleichberechtigung gebracht?

Christel Humme: Alles in allem fällt die Bilanz ernüchternd aus: Die Freiwilligkeit war ein stumpfes Schwert. Die Unternehmen haben die Chance, die in der Vereinbarung stecken, nicht erkannt und nicht genutzt. Auch wenn es Verbesserungen im Einzelnen gibt, bestehen doch alte Ungleichheiten nach wie vor.

Daraus ziehe ich den Schluss: Wenn wir tatsächliche Gleichberechtigung erreichen wollen, müssen wir die Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen. Wir brauchen hierfür auch gesetzliche Lösungen.

Wie können die aussehen?

Eine wichtige Verbesserung für Frauen ist die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Denn Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer, und zwar ganze 22 Prozent. Damit gehören wir in Sachen Lohngerechtigkeit für Frauen und Männer in Europa zu den Schlusslichtern.

Ein Grund hierfür ist, dass Frauen die Mehrheit der Beschäftigten im Niedrigeinkommensbereich ausmachen. Deshalb ist das Eintreten von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz für weitere Mindestlöhne vor allem ein Gewinn für Frauen. Sie werden so vor ausbeuterischen Dumpinglöhnen geschützt.

Brauchen wir darüber hinaus noch mehr?

Ja, ich wünsche mir auch eine gesetzliche Quote für die Besetzung von Aufsichtsgremien.

Aufsichtsräte sind wichtige Kontrollgremien der Unternehmen, die die Vorstände berufen, Kontrolle ausüben und unternehmerische Grundsatzentscheidungen genehmigen. Doch in den Aufsichtsräten der 200 größten Unternehmen sind Frauen nur zu 7,8 Prozent vertreten. Auch hier gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern.

Die männliche Dominanz in den Aufsichtsgremien ist mitverantwortlich für die nach wie vor geltenden Nachteile für Frauen im Hinblick auf Führungsfunktionen und Bezahlung. Um diese Dominanz zu überwinden, brauchen wir eine gesetzliche Regelung für die Besetzung von Aufsichtsgremien. Norwegen hat uns gezeigt, wie man es besser machen kann. Dort müssen seit 2006 mindestens 40 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt sein. Wird die Quote nicht erfüllt, drohen Sanktionen. Mit dieser Regelung ist es Norwegen gelungen, die Gleichstellung deutlich voranzubringen und die Teilhabe von Frauen zu stärken.

Auch an den Hochschulen sind Frauen in Führungspositionen eine Ausnahme - trotz Gleichstellungsgesetz. Welche Maßnahmen wären hier sinnvoll?

Wir haben schon einiges gemacht. Gerade die Junior-Professur hat sich als ein wirkungsvolles Mittel zur Frauenförderung erwiesen.Außerdem haben sich Bund und Länder Ende 2007 auf ein Professorinnen-Programm geeinigt. Damit wollen wir 200 neue Stellen für Professorinnen an Hochschulen schaffen.

Wir wollen aber noch mehr. Wir schlagen ein Förderprogramm für Frauen im akademischen Mittelbau und ein Stipendienprogramm für den Wiedereinsteig nach der Babypause vor. Damit können wir Frauen in Forschung und Wissenschaft weiter stärken.

*Christel Humme ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Mehr Informationen finden Sie unter www.christel-humme.de

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