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Keine Heimat in der Fremde

Kai Doering • 17. November 2011

Ein Logo gibt es schon: Auf dem Parteitag soll die Grundlage für die SPD international geschaffen werden. Foto: SPD internationa
Ein Logo gibt es schon: Auf dem Parteitag soll die Grundlage für die SPD international geschaffen werden. Foto: SPD international

Als Elina Weckert vor gut drei Jahren nach Paris zog, ahnte sie nicht, dass ihre Partei schon dort ist. "Ich hatte eigentlich vor, mich während meiner Zeit in Frankreich bei der Parti Socialiste (PS) zu engagieren", erzählt die 32-Jährige, die in Paris ihre Doktorarbeit über deutsche und französische Gesundheitspolitik schreibt. Von den französischen Genossen erfuhr sie vom dortigen SPD-Freundeskreis. Seit 2009 gehört Weckert zu seinem Vorstand.

"Wir arbeiten intensiv mit der PS zusammen", sagt Elina Weckert. Dabei könne man viel über die politische Kultur im Nachbarland lernen. "Eine große Koalition zum Beispiel wäre hier undenkbar." Doch auch wenn der Pariser Freundeskreis mit seinen 120 Mitgliedern eine der größten der 13 Auslandsgruppen der SPD ist, kämpft er mit einem großen Problem: "Es gibt überhaupt keine hauptamtliche Unterstützung und schon gar kein Geld aus Deutschland."

Ummelden ins Ausland ist nicht attraktiv

"Die Auslandsorganisation der SPD gleicht einem Flickenteppich", klagt Martin Nissen, der Vorsitzende der SPD Paris. "Mehr als zwei Drittel unserer 3500 bis 5000 Mitglieder im Ausland sind von der demokratischen Mitwirkung innerhalb der Partei ausgeschlossen." Das liegt daran, dass die meisten Genossen in Deutschland Mitglied bleiben, wenn sie ins Ausland gehen, ihre Rechte in der Heimat aber wegen der Entfernung nicht wahrnehmen. Ein Ummelden ins Ausland ist nicht attraktiv, weil in den Auslandsfreundeskreisen der SPD die Mitgliedschaftsrechte massiv eingeschränkt sind.

Die Auslandsgruppen fordern deshalb eine neue Organisationseinheit, die "SPD international". In Telefonkonferenzen rund um den Globus haben sie ihre Anträge für den Bundesparteitag formuliert und Martin Nissen mit der Koordination beauftragt. "Wir wollen die Parteireform nutzen, um die Gruppen im Ausland auf ein vernünftiges Fundament zu stellen", sagt er.

Eigenes Geld und wirkliche Mitspracherechte

So sollen sie künftig eigenes Geld bekommen und wirkliche Mitspracherechte: "Alle Mitglieder, die außerhalb Deutschlands wohnen, werden künftig Mitglieder der SPD international", erklärt Nissen. "Sie wählen einen globalen Vorstand und drei Delegierte für den Bundesparteitag." Aus seiner Sicht würde die SPD auf diese Weise nicht nur eine Lücke im Vergleich zu ihren Schwesterparteien schließen - während die deutschen Sozialdemokraten gerade mal 13 Auslandsgruppen haben, sind es bei der französischen PS 100 - sondern auch den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht.

"Immer mehr Menschen gehen schließlich zum Arbeiten oder Studieren ins Ausland und wollen auch dort politisch aktiv sein." So wie Elina Weckert. Für die Doktorandin dürfte die Reform allerdings zu spät kommen. Nach vier Jahren in Frankreich plant sie, im Sommer kommenden Jahres nach Berlin zurückzukehren - dorthin, wo ihre Rechte als SPD-Mitglied die ganze Zeit lagen.

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