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Die Brot-Königin

Maicke Mackerodt • 03. November 2011

Foto: medienleiter / Markus Leiter / pixelio.de
Foto: medienleiter / Markus Leiter / pixelio.de

Der Ausspruch einer BWL-Studentin brachte alles ins Rollen: "Pumpernickel? Das Brot isst nur meine Oma", hatte die junge Frau ihrer Wirtschaftsprofessorin Ulrike Detmers vorgehalten. Detmers war zu diesem Zeitpunkt bereits seit 25 Jahren mit dem Firmeninhaber der Vollkorngroßbäckerei Mestemacher verheiratet und wollte fortan als seine Beraterin das altbackene Schwarzbrot-Image loswerden. Als sie 1998 eine Studie zu weiblichen Führungskräften veröffentlichte, deren Ergebnis war, dass Frauen "herausragend führen können und dass es wirtschaftlicher Schwachsinn ist, sie nicht zu fördern", war auch die Richtung vorgegeben. Peu à peu krempelte sie das Image der 140 Jahre alten Backwarenfabrik um, ab dem Jahr 2000 auch als Mitglied der Geschäftsleitung.

Die zweifache Mutter erfand zunächst die "Lifestyle-Bakery". Dazu gehört, dass sich das Familienunternehmen auch jenseits von Backwaren engagiert. Für den Naturschutz etwa - und für die Gleichstellung von Frau und Mann. So übernimmt Mestemacher einen Teil der Kita-Gebühren für seine Beschäftigten und vergibt diverse Preise, die die Gleichberechtigung fördern sollen. "2001 haben wir den jährlichen Kita-Preis ins Leben gerufen." Grund waren zu wenig Krippenplätze, zu wenig qualifiziertes Personal.

Preis für "Managerin des Jahres"

"Seit 2002 vergibt Mestemacher außerdem einen Preis für die "Managerin des Jahres". Die Ökonomin Detmers hält es für Verschwendung, wenn hochqualifizierte Frauen nicht adäquat beschäftigt werden. "Die wahren Karrierehindernisse von Frauen sind die alten Seilschaften von Männern." Die Marketingchefin Detmers beschloss, sich für Frauenförderung stark zu machen.

Mestemacher verknüpft die Gleichstellung von Frau und Mann eng mit der Unternehmenskultur. Das ostwestfälische Werk mit vier deutschen Standorten und einem in Polen vertreibt seine Produkte in 87 Ländern. Mitte der 80er Jahre betrug der Umsatz von Vollkornbrot, Tiefkühlkuchen, Müsli oder Dosenbrot 3,2 Millionen Euro. 2010 erwirtschaftete die Firmen-Gruppe mit mehr als 500 Mitarbeitern 112 Millionen Euro. Der Erfolg brachte Ulrike Detmers den Spitznamen "Queen of bread", Brot-Königin ein, was sie amüsiert.

Und bestärkt, weiterzumachen: Seit fünf Jahren ehrt die Großbäckerei auch den "Spitzenvater des Jahres". Detmers: "Damit wollen wir Männer animieren, ein neues Vaterbild zu schaffen." Die "Brot-Königin" möchte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach skandinavischem Vorbild durchsetzen. Ihr Langzeit-Ziel: Norwegische Verhältnisse in der deutschen Wirtschaft, nämlich in Staatsunternehmen und großen Aktiengesellschaften 40 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Im eigenen Unternehmen hat sie die Quote schon erreicht. In der Branche werde gelästert: "Ach, die verrückte Ulrike Detmers". Sie stört das nicht.

Firmenporträt Mestemacher Geschäftsfeld: Vollkorngroßbäckerei Firmensitz: Gütersloh Gegründet: 1871 Beschäftigte: 118, davon 46 Frauen

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