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Afrikas Eiserne Lady

Jerome Cholet • 19. October 2011

Agencia Brasil, Presidente recebe a presidente da Libéria, Ellen Johnson-Sirleaf. Portrait extracted/Creative Commons License At
Agencia Brasil, Presidente recebe a presidente da Libéria, Ellen Johnson-Sirleaf. Antonio Cruz/ABr/Creative Commons License Attribution 2.5 Brazil

Mehr als 250.000 Menschen waren ums Leben gekommen, etwa eine Million vertrieben. Das westafrikanische Liberia lag in Schutt und Asche als Ellen Johnson-Sirleaf im Jahr 2006 ihr Amt als Präsidentin antrat. Über 14 Jahre lang wütete in der einst von schwarzen Sklaven gegründeten Republik der Bürgerkrieg - das erste weibliche Staatsoberhaupt Afrikas sollte sie wiederaufbauen.

"Mama Afrika" oder die "Eiserne Lady", wie Johnson-Sirleaf oft genannt wird, kann auf eine gute Bilanz zurückschauen. Die Hauptstadt Monrovia ist wieder elektrifiziert, Liberia hat sich umfangreich entschuldet und die Präsidentin führte für alle Kinder wieder den kostenlosen Schulbesuch ein, hob die Gehälter für Ärzte und Krankenschwestern an und brachte internationale Investoren in das zerrüttete Land zurück. Der Frieden hält - auch wenn weiterhin 15.000 UN-Soldaten über Sicherheit und Stabilität wachen.

Denn Ellen Johnson ist ein Politikprofi. Die 1938 geborene Liberianerin studierte an der Harvard Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika und war bereits in den siebziger Jahren Finanzministerin, später floh sie ins Ausland und arbeitete bei verschiedenen internationalen Banken und UN-Organisationen. Sie setzte sich für die Aufarbeitung des Völkermordes in Ruanda sowie für die Überwindung des Kongo-Konfliktes ein. Für die UN-Frauenorganisation UNIFEM untersuchte sie die Auswirkungen von Kriegen auf Frauen und deren Kapazitäten für Friedensbildung.

"Gäbe es in Afrika mehr Präsidentinnen, wäre es um den Kontinent wohl besser bestellt," sagte sie im vergangenen Jahr in einem Interview. Nun hat sie für den Wiederaufbau ihres Landes, für ihren Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen und vor allem, weil sie ein großes Vorbild in Afrika ist, den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten - gemeinsam mit einer ebenfalls liberianischen Menschenrechtsaktivistin und einer jemenitischen Frauenrechtlerin.

"Ellen Johnson-Sirleaf hat es vermocht, dem vom Bürgerkrieg geschundenen Land wieder Stabilität und Zuversicht zu geben," sagt Gernot Erler (SPD), stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

In Liberia waren die Menschen weniger euphorisch. Die Opposition reagierte mit Kritik. Der wichtigste Herausforderer vom Kongress für Demokratischen Wandel, Winston Tubman, bezeichnete die Preisverleihung an die im Wahlkampf befindliche Johnson-Sirleaf als "politische Einmischung in die Angelegenheiten unseres Landes." Immerhin waren es die ersten Wahlen seit Ende des Bürgerkrieges, die Liberia eigenständig organisierte. Im Jahr 2005 waren noch die Vereinten Nationen eingesprungen. Und eigentlich hatte Johnson-Sirleaf versprochen, kein zweites Mal kandidieren wollen. Erst im vergangenen Jahr änderte sie ihren Kurs, verteidigte sich, noch nicht alle Ziele erreicht zu haben und tauschte ihr gesamtes Kabinett aus.

Noch immer ist in Liberia Korruption weit verbreitet, etwa 80 Prozent der Bevölkerung leben in extremer Armut und häufig entladen sich lokale Konflikte in Gewalt. Zudem war Johnson-Sirleaf auch unter dem ehemaligen Rebellenführer Charles Taylor aktiv. Für den heute in Den Haar wegen Völkermords Angeklagten hatte die damalige Zentralbankchefin in den Vereinigten Staaten einige Monate Spenden gesammelt. Über die Empfehlung der Wahrheits- und Versöhnungskommission, sie als parteiisch von allen öffentlichen Ämtern des neuen Liberias auszuschließen, hatte sich die Präsidentin mit einer einfachen Entschuldigung hinweggesetzt.

Nach in Afrika weit verbreiteter Kritik der unterlegenen Parteien, auch die Wahlen in Liberia seien manipuliert worden, muss sich die Präsidentin am 8. November nun einer Stichwahl gegen Winston Tubman stellen. Zwar hatte die Nationale Wahlkommission ihr die Mehrheit der Stimmen zugesprochen, allerdings unterhalb der 50 Prozent-Marke.

Am 10. Dezember wird sie also den Friedennobelpreis in Oslo empfangen. Um die Entscheidung des norwegischen Komitees nachträglich abzusichern, wird ihre zweite Amtszeit entscheidend sein. Immerhin gilt sie als Favoritin.

Die Anzahl der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Frauen ist mit der diesjährigen Entscheidung sprunghaft gestiegen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles schließt: "Die Auszeichnung ist nicht nur eine Anerkennung der außergewöhnlichen persönlichen Lebensleistungdieser Frauen, sondern auch ein ermutigendes Signal für viele andere Frauen in Afrika, den arabischen Ländern und der gesamten Welt, sich für ihre Rechte einzusetzen. Frieden und Gerechtigkeit sind ohne Gleichberechtigung nicht möglich." Als einzige Präsidentin Afrikas setzt Johnson-Sirleaf damit wirklich Zeichen.

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