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Das Leben der Pioniere

Kai Doering • 14. October 2011

Werben für Veränderung: Annette Jansen und Michael Müller. Foto: Kai Doering
Werben für Veränderung: Annette Jansen und Michael Müller. Foto: Kai Doering

Das Dogma gilt schon so lange wie es den Menschen gibt: Wachstum ist gut, eine Wirtschaft, die nicht zulegt, fehlerhaft. Klar soweit. Annette Jensen fing jedoch irgendwann an, daran zu zweifeln. Sie sah Menschen, die sich Wachstum widersetzten, ihre eigene Energie herstellten oder Konsumverzicht übten. "Ich hatte Lust, Leute zu treffen, die anders wirtschaften", erzählt die Journalistin am Freitag am vorwärts-Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Also begab sie sich auf die Suche. "Wir steigern das Bruttosozialglück" lautet der Titel des Buchs, das daraus entstanden ist.

Einer der Menschen, die schon seit Jahrzehnten für ein anderes Leben werben, ist Michael Müller. Der Vorsitzende der "Naturfreunde" und ehemalige Staatssekretär im Bundesumweltministerium hat schon vor Jahren eine Verpflichtung mit sich selbst abgeschlossen, nicht mehr zu fliegen. Mit anderen hat er auch die Ökobank gegründet, die vor allem alternative Betriebe und die Entwicklungsförderung in der Dritten Welt finanzierte.

Eine Bewegung, die nicht weiß, dass sie eine ist

"Uns wurden damals viele Steine in den Weg gelegt", weiß Müller zu berichten. Und auch heute noch würden "viele Initiativen zu oft nicht für voll genommen und an den Rand gedrängt". Dabei werde der Drang zu Veränderung immer größer, "denn die traditionelle Form von immer höher und immer weiter gerät zunehmend an ihre Grenzen".

Dass dies immer mehr Menschen mitbekommen, hat Annette Jensen festgestellt. "Veränderung beginnt bei vielen mit Unzufriedenheit", sagt sie. Und noch etwas ist ihr bei der Recherche für ihr Buch aufgefallen: "Es gibt eine Bewegung, die noch gar nicht weiß, dass sie eine Bewegung ist."

Das sieht Michael Müller genauso. Der Wandel könne nicht verordnet werden, sondern müsse von unten kommen: "Wir müssen die politische Veränderung nicht nur technisch sehen, sondern auch intellektuell", fordert er in Frankfurt. Schließlich hänge davon auch die Zukunft der Gesellschaft ab, denn "wir erleben zurzeit keine Krise, sondern einen Epochenwechsel. Dafür brauchen wir Pioniere."

Annette Jensen sieht die Gesellschaft für den Wandel recht gut vorbereitet. "Die Bevölkerung ist viel schlauer als Politiker denken", ist sie überzeugt. Ihr eigenes Leben und das ihres Lektors haben ihr Recherchen für ihr Buch bereits verändert: Beide beziehen mittlerweile Ökostrom.

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