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Die Steinbrück-Show

Kai Doering • 12. October 2011

Ob er will oder nicht: Peer Steinbrück steht im Mittelpunkt. Foto: Kai Doering
Ob er will oder nicht: Peer Steinbrück steht im Mittelpunkt. Foto: Kai Doering

Peer Steinbrück kann nichts machen. Egal, wo der ehemalige Finanzminister und gegenwärtige Bundestagsabgeordneten hinkommt, liegen ihm die Menschen zu Füßen. Das ist auch am frühen Mittwochnachmittag so, als Steinbrück sich am vorwärts-Stand auf der Frankfurter Buchmesse in einen schwarzen Ledersessel sinken lässt.

Neben ihm sitzt der eigentliche Star des Nachmittags. Heiko Geue, Staatssekretär im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt, hat ein Buch geschrieben, in dem er dem Vertrauensverlust in die Politik auf den Grund geht und Gegenrezepte präsentiert. "Politik ist Wille" lautet der Titel. Steinbrück war bis 2009 Geues Chef im Finanzministerium. Geue leitete dort damals den Leitungsbereich.

Und auch in Frankfurt ist klar, wer das Sagen hat. Jedes Steinbrück-Statement wird mit Applaus bedacht. Egal ob er die Europäische Union in die Schranken weist ("Europa hat bei Glühlampen oder dem Krümmungsgrad von Gurken nichts zu suchen."), sie lobt ("Die einzige Chance, dass wir unseren Wohlstand und den Frieden sichern, ist nicht weniger, sondern mehr Europa.") oder die Zuhörer zu mehr Selbstdisziplin aufruft: "Es liegt auch an Ihnen, wie sich unser Gemeinwesen entwickelt."

Warnung vor dem Obama-Effekt

Vor einem Jahr saßen Steinbrück und Geue am selben Platz. Damals ging es um Steinbrücks Buch "Unterm Strich". Die Botschaften sind dieselben geblieben. Steinbrück ist der Volkstribun, der komplizierte Dinge einfach erklärt ("Wir brauchen eine Finanzmarkttransaktionssteuer - das ist nichts anderes als die Mehrwertsteuer, die Sie tagtäglich auf die Produkte bezahlen, die Sie kaufen."). Die Menschen lieben ihn dafür.

Heiko Geues Botschaften sind im Grunde dieselben ("Statt zu versuchen, mit Rettungsschirmen Vertrauen zu kaufen, muss Europa sich zu einer Bastion in der Globalisierung wandeln!"), doch neben Steinbrück dringt er nicht durch. Nur einmal schafft er es, den Ex-Finanzminister nachdenklich werden zu lassen. "Du weckst zurzeit viele Erwartungen - so ähnlich wie Obama vor zwei Jahren", sagt er. Steinbrück überlegt und sagt dann: "Obama war Projektionsfläche für viele Hoffnungen. Das ist immer gefährlich."

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