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Icon   Jörg Armbruster: Der arabische Frühling

Araber können Demokratie!

Carl-Friedrich Höck • 24. October 2011

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Bücher zu aktuellen Ereignissen haben einen Nachteil: Wenn sie erscheinen, sind sie in der Regel schon wieder veraltet. So ergeht es auch einigen Passagen aus Jörg Armbrusters Buch "Der arabische Frühling". Etwa, wenn der Journalist bezweifelt, dass die libyschen Rebellen bis in die Hauptstadt Tripolis vorrücken werden. Mittlerweile haben sie Tripolis eingenommen und Gaddafi ist tot.

Armbruster stellt die Menschen vor

Den Wert des Buches mindert dies kaum. Es ist eine lebendig geschriebene Reportage auf 230 Seiten. Armbruster reiste während der Aufstände als ARD-Korrespondent durch Nordafrika. Im Buch schildert er seine Erlebnisse und stellt die Menschen vor, denen er während seiner Recherchen begegnete: die jugendlichen Blogger und Internetaktivisten, die Demonstranten und Anwälte, die Oppositionsführer, Kämpfer und Taxifahrer. Sie alle erzählten ihm von ihren Problemen und Hoffnungen.

Im Mittelpunkt des Buches stehen Berichte aus Ägypten und aus Libyen, wo Armbruster als Korrespondent besonders viel Zeit verbracht hat. Doch der Autor blickt auch auf die anderen Schauplätze des arabischen Frühlings, auf Tunesien, Jemen, Bahrain und Syrien. Kompakt und leicht verständlich fasst er zusammen, wie dort die Protestbewegungen entstanden und welche Gruppen in den jeweiligen Ländern um die Macht ringen.

"Wer am Nil geboren wird, hat Pech gehabt"

Armbruster gelingt es, gesellschaftliche Probleme an konkreten Beispielen zu veranschaulichen. Zum Beispiel am Bauernsohn Mohammed aus Ägypten. "Wer in einem Dorf am Nil geboren wird, hat schlicht Pech gehabt", schreibt Armbruster. Mohammed wird irgendwann ein Stück Land von seinen Eltern erben. Doch dieses wird zu klein sein, um davon zu leben. Die Schule konnte er trotz Schulpflicht kaum besuchen. Also wird er wahrscheinlich als Tagelöhner enden, der Willkür und Unterdrückung hilflos ausgeliefert ist.

Auf dem Land gebe es so gut wie keine Möglichkeit, sich gegen Polizeiwillkür zu wehren, schreibt Armbruster. Großgrundbesitzer, Staatspartei, Polizei und Imame hätten einen kaum zu knackenden Block gebildet. "Wer sich wehrt, sieht sich dieser Übermacht gegenüber: der Polizei, die ihn verprügelt, dem Großgrundbesitzer, der ihn entlässt, und dem Imam, der ihn wegen Ungehorsam gegen Gott verurteilt". Beispiele wie dieses verdeutlichen das Leid und die Verzweiflung vieler Ägypter, aber auch die Gründe, warum ihr Aufstand so lange ausblieb.

Ägypten: Militär ist ein Staat im Staat

Der Autor stellt nicht nur einzelne Personen vor, sondern analysiert auch die gesellschaftlichen und machtpolitischen Veränderungen. Und er benennt die Chancen und Gefahren, die die Umbrüche mit sich bringen. Anschaulich beschreibt er die Rolle des Militärs in Ägypten, das sich während der Mubarak-Herrschaft ein eigenes Wirtschaftsimperium aufgebaut hat. Es profitierte vom alten System, schreibt Armbruster. Auf die Seite der Demonstranten habe es sich nur gestellt, um die eigenen Privilegien zu retten. "Das ägyptische Militär verstand sich immer als Staat im Staat, und es wird schwer werden, es in ein demokratisches Ägypten einzubauen". Die jüngsten Ereignisse haben die Befürchtungen des ARD-Korrespondenten bestätigt: Der regierende Militärrat geht repressiv gegen Kritiker vor. Militärgerichte verurteilten in den vergangenen Monaten tausende Blogger und Aktivisten.

Optimistischer klingt Armbruster, wenn er über die Muslimbruderschaft in Ägypten schreibt: Zwar seien sie nicht als überzeugte Demokraten bekannt, "aber islamistische Schreckgespenster sind sie auch nicht". Hoffnungsvoll klingt auch das Kapitel "Können Araber überhaupt Demokratie?". Ja, meint Armbruster, auch wenn es Rückschläge geben werde. "Demokratie ist machbar in der islamischen Welt, aber es wird noch lange eine Demokratie mit eingebautem Koran sein."

Das Buch bietet einen guten Überblick über die Umbrüche in Nordafrika und liefert dem Leser Hintergrundberichte, für die in tagesaktuellen Medien selten Platz ist. Armbruster verknüpft seine Augenzeugenberichte mit reflektierenden Analysen. Das Ergebnis ist ein gut lesbares Buch, das hilft, die Ereignisse im arabischen Raum zu verstehen.

Jörg Armbruster: "Der arabische Frühling. Als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern." Westend Verlag, Frankfurt/Main 2001, 239 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-938060-44-5

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