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Icon   Günter Grass und Sigmar Gabriel im Gespräch

Engagiert für die SPD

Birgit Güll • 07. October 2011

Die Journalistin Tissy Bruns moderiert das Gespräch zwischen Sigmar Gabriel und Günter Grass im Berliner Willy-Brandt-Haus. Foto
Die Journalistin Tissy Bruns moderiert das Gespräch zwischen Sigmar Gabriel und Günter Grass im Berliner Willy-Brandt-Haus. Foto: Redaktion

Eigentlich war Günter Grass ins Berliner Willy-Brandt-Haus gekommen, um mit Sigmar Gabriel über das soeben erschienene Buch "Günter Grass auf Tour für Willy Brandt" zu sprechen. Allerdings wollte der Literaturnobelpreisträger nicht in Erinnerungen schwelgen sondern Zukunftspläne schmieden. "Das kapitalistische System ist in Selbstauflösung und niemand hat den Mut von einem Systemwechsel zu sprechen", erklärt Grass. Es gelte die Abhängigkeit vom Bankensystem zu beenden und etwas Neues zu machen. Die SPD müsse sich zum Sprecher einer solchen Bewegung machen.

Das Glaubwürdigkeitsproblem der SPD

Sigmar Gabriel pflichtet bei, erklärt es dürfe kein Cent mehr in die Rettung der Banken investiert werden, ohne dass der Staat an ihnen beteiligt werde oder sie in Staatseigentum übergingen. Allerdings: Die SPD habe ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie habe den Neoliberalismus in Teilen mitgetragen. Der SPD-Chef spricht über Zeit- und Leiharbeit, über die Agenda 2010 und die Rente mit 67. "Wir haben das was uns im Kern ausmacht, den Wert der Arbeit, mit beschädigt", sagt Gabriel. Nicht jeder glaube nun an den Kurswechsel. Aber: Es gelte die Menschen davon zu überzeugen, "dass sich Engagement auf Seiten der Sozialdemokratie lohnt", so Gabriel.

Die Lebensrealität der Menschen müsse wieder gesehen werden. Nur daraus lasse sich sozialdemokratische Politik entwickeln, erklärt Gabriel. Er spricht über die Öffnung der SPD, die weitergehen müsse. "Wagemut gehört dazu wenn man sozialdemokratische Politik macht", sagt Grass. Er lobt Gabriels Bereitschaft Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Das Publikum, das so zahlreich gekommen ist, dass die vorbereiteten Stühle längst nicht ausreichen, ruft er zum Engagement auf.

In den USA gingen derzeit Tausende auf die Straße. Die "Occupy Wall Street"-Proteste richten sich gegen den entfesselten Kapitalismus. Für solche Bewegungen müsse man offen sein, betont Grass. Seine legendäre Wahlkampftour für Willy Brandt 1969 hat sich gelohnt. Das soeben erschienene Buch sei als "Handbuch zur Gründung von Wählerinitiativen" zu verstehen. Es sei nicht ausgemacht, dass erst 2013 auf Bundesebene gewählt werde. "Ich hoffe ihr seid darauf vorbereitet", sagt er zu Gabriel. Man sei vorbereitet, versichert der SPD-Chef, der an diesem Freitagnachmittag den Kurswechsel seiner Partei eindrucksvoll demonstriert.

Kai Schlüter (Hg.): "Günter Grass auf Tour für Willy Brandt. Die legendäre Wahlkampfreise 1969", Ch. Links Verlag, Berlin 2011, 240 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-86153-647-5

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