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Demokratischer Städtebauer

Uwe Knüpfer • 08. October 2011

Hafencity Hamburg: Volkwin Margs Entwurf und Studie von 1997
Hafencity Hamburg: Volkwin Margs Entwurf und Studie von 1997

Kommunalpolitik kann auch zerstören. Während des Wirtschaftswunders wurden in der Bundesrepublik mehr gewachsene Strukturen alter Städte zerschlagen als während des Zweiten Weltkriegs. Wo sie konnten, gingen DDR-Stadtplaner noch rabiater vor. Es galt, für "neue Menschen" neue Städte zu bauen. Die Charta von Athen, lange eine Art Bibel sich fortschrittlich dünkender Stadtplaner, propagierte gar die "autogerechte Stadt". In ihr kam der Mensch nur noch als Autofahrer vor.

Derartige "Schleifspuren" führt Volkwin Marg auf die "ideologischen Verirrungen" des 20. Jahrhunderts zurück. Marg ist einer der seltenen Menschen, auf deren Spuren man in fast allen großen Städten stößt, nicht nur in Deutschland. Das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner - gmp - betreut derzeit allein 40 Bauprojekte in China. In Gelsenkirchen geben Marg und seine Kollegen der gebeutelten Stadt soeben ihre "sozialdemokratische Kulturburg" zurück. gmp betreut die Wiederauferstehung des legendären Hans-Sachs-Hauses, denkmalwürdiger Architektur aus den 1920er Jahren. Fritz Fischer hieß der Architekt.

gmp hat auch den Berliner Hauptbahnhof entworfen - und legt Wert darauf, NICHT dafür verantwortlich zu sein, dass der Bahnhof noch immer von Ödnis umgeben ist. Marg hat die Hafen-City Hamburg erdacht, und auch Stuttgart21 geht auf gmp-Pläne zurück. Volkwin Marg allerdings hätte den alten Stuttgarter Bahnhof nicht abreißen lassen. Er hat Verständnis dafür, dass viele Stuttgarter den Abriss als Frevel empfinden. Gewachsene Architektur ist eben auch Heimat.
Der Vorsitzendes des Beirats der Bundesstiftung Baukultur ist ein Architekt, den einzelne Baukörper weniger interessieren als "das Ganze". Die Stadt, die Gesellschaft.

Große Bauten können Denkmäler großer Egos oder Ideen sein - oder Ausdruck solidarischen Denkens und Handelns. Der demnächst 75jährige Volkwin Marg ist "seit 1962/3", so genau weiß er es nicht, Sozialdemokrat. Er bezeichnet sich als eine "Karteileiche", die sich wundere, von den wechselnden Parteiführungen "nie exhumiert" worden zu sein.

Dabei ließe sich von ihm viel lernen. Zum Beispiel, Deutschland mit seinem Nebeneinander von Städten, Dörfern, Wäldern und Feldern als "balancierte Landschaft" zu sehen, vital und gesund, wenn auch "mit architektonischen Wunden versehen".

"Die Basis dezentraler Urbanität," schreibt Marg seiner oft auf Großstrukturen fixierten SPD ins Stammbuch, seien Mittelstand und mittelständische Kultur. Global gesehen sei Deutschland eine "Insel der kulturellen Vielfalt". Sicher: "Das alles ist tief bedroht. Aber zugleich sind alle Chancen offen!"

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