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Die Volksaktie – Zukunft der Stadt

Yvonne Holl • 07. October 2011

Kiel Hafen, flickr.com/photos/arne-list/2232777712/CC BY-SA 2.0
Kiel Hafen, flickr.com/photos/arne-list/2232777712/CC BY-SA 2.0

Noch ist es ein Planspiel und der Weg zur Umsetzung weit. "Wir brauchen dringend neue Modelle zur Finanzierung unserer Städte. Die alten Strukturen funktionieren nicht mehr", ist Torsten Albig, Oberbürgermeister (OB) von Kiel, überzeugt. "Ich will die alte Idee der Staatsanleihe aktivieren", sagt der SPD-Politiker. Bürger legen ihr Geld bei der Stadt an und die arbeitet damit. Steckt es in Schulen und befähigt ihre Bewohner so, selbst mal Steuern zahlende, gute Staatsbürger zu werden. Und nicht Hilfeempfänger.

"Nehmen Sie das Kieler Quartier Gaarden. Dort leben rund 20 000 Einwohner. 20 Prozent von ihnen sind arbeitslos, 40 Prozent erhalten Hartz IV und ebenso viele haben Migrationshintergrund. Gaarden ist ein richtiger Problembezirk", schildert Albig. 50 Millionen Euro Transferleistungen zahle der Staat jährlich an Bewohner von Gaarden. "Dieses Geld fließt quasi, ohne dass wir es merken", mahnt der OB. Und ohne, dass ein positiver Effekt erzielt würde. Die Gefahr für junge Gaardener, einen schlechten oder gar keinen Schulabschluss zu machen und wie die eigenen Eltern Hartz IV zu beziehen, sei sehr hoch.

Dieser Kreislauf könne nur mittels einer echten Bildungsoffensive durchbrochen werden, ist Albig überzeugt. "Dazu genügen aber nicht drei neue Sozialarbeiter für vier Schulen." Man braucht richtig viele, richtig gut ausgebildete Lehrer, dazu Sozialarbeiter, moderne Technik und Infrastruktur. Alles, was nötig ist, um Chancengleichheit und eine gute Bildung für alle zu ermöglichen. Ein großer Wurf, der innerhalb kurzer Zeit Wirkung zeigt.

Und so sieht Albigs - zugegebenermaßen bislang noch rein fiktive - Rechnung aus: Kieler Bürger investieren mit drei Prozent Rendite in das Projekt. "Viele Menschen fühlen sich ihrer Stadt verbunden. Das müssen wir nutzen." So kommen 50 Millionen zusammen, mit denen 200 Millionen Investitionssumme aufgenommen werden können. Angelegt ist das Ganze auf 20 Jahre. Ab dem Jahr zehn gehen die Sozialausgaben jedes Jahr zurück - weil immer mehr junge Bürger im Stadtteil in Lohn und Brot stehen. Die Differenz zwischen den dann gesunkenen Ausgaben und den heutigen 50 Millionen Transferleistungen könnte den Anlegern ausgezahlt werden.

So könnte sie aussehen, die Volksaktie - Zukunft der Stadt. Bei den Visionen will es Albig nicht belassen, er prüft mit Bankern und Juristen die Umsetzbarkeit seiner Idee.

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