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Ernst Raim als Zeitzeuge an tschechischen Schulen

Thomas Oellermann • 29. September 2011

Grundschule České mládeže Ústí nad Labem.
Grundschule České mládeže Ústí nad Labem.

Ernst Raim, 1926 im nordböhmischen Reichenberg (Liberec) geboren und in Friedland (Frýdlant) aufgewachsen, unterstützte bereits in jungen Jahren die Tätigkeit seiner Eltern für die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei (DSAP). So schmuggelte er nach 1933 mit seiner Mutter verbotene Druckschriften ins nationalsozialistische Deutschland. Als die Wehrmacht nach dem Münchener Abkommen die Grenzgebiete besetzte, floh die Familie ins Inland. Teile der Familie, unter ihnen Ernst, kehrte später wieder nach Friedland zurück.

Im Verlauf des Krieges wurden die Eltern verhaftet und der Vater schlimm misshandelt. Raim wurde bereits als 15jähriger zur Arbeit zwangsverpflichtet, auch weil er sich weigerte, die Reichsangehörigkeit zu beantragen. So wurde er, der Protektoratsangehörige, weiterhin von den nationalsozialistischen Organen als Tscheche betrachtet.

Als nach dem Ende des Krieges klar wurde, dass es in der Tschechoslowakei auch für die antifaschistischen Deutschen keinen Platz mehr geben würde, verließ Raim 1946 das Land und ging nach Bayern. Er wurde Lehrer und engagierte sich unter anderem in der Seliger-Gemeinde, der Gemeinschaft ehemaliger sudetendeutscher Sozialdemokraten.

Jetzte berichtete Ernst Raim aus seinem bewegten Leben an Schulen in Ústí nad Labem, im Norden Böhmens, in Krupka, Varnsdorf sowie Podbořany. " Geschichte verbindet" heißt das Zeizeugenprojekt des Collegium Bohemicum, dass diese Begegnungen unterstützt. In den nächsten drei Jahren bietet sich Jugendlichen die seltene Chance, Begegnung mit Zeitzeugen zu ermöglichen, die Holocaust und stalinistischen Terror überlebt haben.

Für die insgesamt mehr als 200 Schüler war sicherlich die größte Überraschung, dass Raim fließend auf Tschechisch erzählte - die Sprache hatte er noch vor dem Krieg gelernt. Im Anschluss an jede Begegnung wurde Schülern und Lehrern die Möglichkeit geboten, Fragen zu stellen, wovon diese eifrig Gebrauch machten. Den Besuchern der sechs Begegnungen schien es klar zu sein, dass Sie mit Raim einem der letzten Zeitzeugen aus der Gruppe der sudetendeutschen Antifaschisten zuhören konnten.

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