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Icon   Medienpolitik, technische Innovationen und Mode auf der Berliner Funkausstellung

Freie Information in freier Gesellschaft

Christian Janssen • 08. September 2011

Ein Saal des Kongreßzentrums ''ICC BERLIN'' (Bild: Christian Janssen)
Ein Saal des Kongreßzentrums ''ICC BERLIN'' (Bild: Christian Janssen)

Mit der Fachmesse " IFA CONSUMER ELECTRONICS UNLIMITED" auf dem Berliner Messegelände ging der internationale Medienkongreß " MEDIENWOCHE@IFA 11" unter dem Motto "Digital is now!" am 5. September 2011 und 6. September 2011 im Kongreßzentrum "ICC BERLIN" einher. Die darin eingebundene Tagung "medienpolitik@IFA" unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz und Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder Kurt Beck wurde am 5. September 2011 mit der Podiumsdiskussion zum Thema "Freie Fahrt für digitale Medien - TV, Internet und Netzneutralität" eröffnet. Kurt Beck brachte den Ausgangspunkt aller medienpolitischen Überlegungen auf eine griffige Formel: "Freie Information in freier Gesellschaft." Dafür seien der Grundinformationszugang und die Regionalität wichtige Voraussetzungen.

Dr. Iris Henseler-Unger, die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen, verdeutlichte das "symbiotische" Verhältnis zwischen Netzbetreiber und Inhalteanbieter: "Ein Netz ohne Inhalt ist unattraktiv wie ein Inhalt, der nicht transportabel ist." Damit stellte sich die Frage, welche Inhalte in jedem Falle transportiert werden sollten und wie dies zu gewährleisten sei. Für den Norddeutschen Rundfunk meldete dessen Intendant Lutz Marmor einen Regelungsbedarf an: "Wir erwarten einen diskriminierungsfreien Verbreitungsweg." Der Direktor der Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) Dr. Hans Hege forderte zusätzlich, nicht nach Inhalten zu differenzieren. Ihnen sprang Markus Reinisch, der Leiter für Regulierung und Konvergenz der Vodafone D2 GmbH zur Seite, indem er klarmachte, der Zensor sei nicht die Rolle des Netzbetreibers. Auch der Vizepräsident des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. und Vorsitzende des Aufsichtsrates der Philips Deutschland GmbH Hans-Joachim Kamp stimmte zu: "Wir als Industrie und Fachverband sind für eine uneingeschränkte Netzneutralität." Insofern waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Gleichwohl warnte Dr. Tobias Schmid vor einer Überregulierung; so bezeichnete der Bereichsleiter Medienpolitik der RTL-Mediengruppe die Bestrebungen, Netzdienste in Diensteklassen einzuteilen, aus praktischen Erwägungen als "Quatsch": "Umgehen kann ich damit, aber leben nicht." Demnach bleibt das Thema aktuell und spannend.

Am 6. September 2011 stellte sich der Gründer der Enthüllungsplattform "WikiLeaks" Julian Assange in einem Videointerview den Fragen der Journalistin und Moderatorin Dr. Melinda Crane zu den Vorgängen rund um das kürzliche Datenleck der Plattform, bei der die Quellen der geheimen Informationen offengelegt worden waren. Er legte seine Sicht der Dinge dar. Auf die Frage, ob er seinen eigenen Ansprüchen an Diskretion gerecht werde, antwortete er: "Wir hätten es nicht anders machen können". Diese Arbeit berge immer Risiken. Es sei Hauptaufgabe der Journalisten, die Wahrheit ans Licht zu bringen und zugänglich zu machen. Jeder Plan berge das Potential in sich, aufgedeckt zu werden, entweder vor, während oder lange nach seiner tatsächlichen Umsetzung. Aufgabe der Journalisten sei es, die wirklichen Motivationen offen zu legen, und zwar nicht so, wie es Interessenverbände darstellen wollten, sondern direkt aus den Quellen, ungefiltert, frei zugänglich.

Besonders innovative Produkte und Technologien wurden auf der Funkausstellung mit Preisen ausgezeichnet. Am 2. September 2011 machte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Stefan Kapferer anfangs der Preisvergabe des Gründerwettbewerbes " IKT INNOVATIV" in der "IFA red lounge" deutlich, die Messe zeige, wie ungebrochen das Interesse an den Informations- und Kommunikationstechnologien sowie deren Wachstum sei. Um bei den Hauptpreisen jeweils eines der fünf Preisgelder in Höhe von 30.000 Euro zu erhalten, hatten 265 Unternehmensgründer ihre Geschäftsideen vorgestellt. Zu den prämierten Geschäftsideen gehörten ein Informationsaustauschsystem für Nutzer von Cloud-Programmen, ein 3D-Scanner zur Analyse und Dokumentation des Pflanzenwachstumes, eine Apparatur zur berührungs- und chemielosen Sicherung von Fingerabdrücken an kriminalistischen Beweisstücken, ein Simulationsprogramm für eine schnellere und günstigere Entwicklung von Software für Steuergeräte wie auch eine Technologie zur Korrektur verwackelter oder durch Linsenfehler verzerrte Bilder.

Die Funkausstellung war auch am 2. September 2011 erneut der Schauplatz für einen Technologietransfer zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland. Der Preis "Innovation Award in China Home Appliance" wurde nun zum dritten Male für die innovativsten chinesischen Haushaltsgeräte in den Produktgruppen Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen und Haushaltskleingeräte vergeben, um einen technologischen Wettbewerb hervorzurufen und damit den technischen Fortschritt voranzutreiben. Konsequenterweise waren die Begriffe "Innovation" und "innovativ" die am meisten gebrauchten Wörter in den Ansprachen, bei denen viel geredet und viel geklatscht wurde. Über den Technologietransfer hinaus genossen die chinesischen Gäste in einer Konferenzhalle den kulturellen Austausch im bayerischen Ambiente der Veranstaltung - Brezeln, Bier, weiß-blaue Tischdecken und Oktoberfeststimmung -, die das China Household Electric Appliance Research Institute (CHEARI) ausrichtete.

Ebenfalls am 2. September 2011 war für Technikprodukte, die aus der Sicht der Leser der elektronischen Fachzeitschrift "CHIP ONLINE" das digitale Lebensgefühl am besten reflektierten, die Vergabe des Preises " CHIP Lifestyle Award 2011" in der "IFA red lounge" vorgesehen. Aus der Leserwahl war die Samsung Electronics Co., Ltd. als erfolgreichste Herstellerin hervorgegangen, denn sie hatte - es gab insgesamt sechs Kategorien - gleich dreimal gesiegt: bestes Fernsehempfangsgerät, bestes Mobiltelephon, innovativste Marke. Überdies wurde die Deutsche Telekom AG wieder für das beste Mobiltelephonnetz mit einer Trophäe bedacht.

Neben all den Produktneuheiten kam das Begleitprogramm der Aussteller nicht zu kurz, um den Messebesuchern einen angenehmen und unterhaltsamen Messetag zu verschaffen. Nach dem guten Echo bei der letzten Funkausstellung hatte die Miele & Cie. KG das Modekonzept unter dem Motto "Miele FASHION DAYS" weiterentwickelt und setzte so ihre Zusammenarbeit mit dem Münchener Modeschöpfer Marcel Ostertag fort; er hatte diesmal für das Standpersonal Krawatten und Halstücher entworfen. Daneben konnte die Herstellerin von Geräten der Haushaltselektronik weitere Modeschöpfer für eine Zusammenarbeit gewinnen. Die Berliner Modeschöpferin Frida Weyer kleidete die Standmoderatorin Annabelle Mandeng in ein sommerlich-frisches Cocktailkleid. Auf die Berliner Modeschöpferin Katja Will mit ihrer Marke "C'est tout" ging das diesjährige "Miele"-Kleid zurück, ein Unikat aus dunkelgoldfarbenem Chiffon und Stretchseide in gleicher Farbe sowie 1.500 Strass-Steinen. Umrahmt wurden die täglich sechs Laufstegpräsentationen mit den neuen Sommerkollektionen der beteiligten Modeschöpfer vom Trio "String Ladies" aus Prag mit rockiger und poppiger Streichmusik sowie von der Tanzformation "Stylize" aus Zürich, deren Streetdance, Stepptanz und klassischer Bühnentanz den Laufsteg fast zum Beben brachte.

Die GRUNDIG Intermedia GmbH setzte ebenso auf die Mode als Blickfang. Die Herstellerin von Fernsehempfangsgeräten bot der Berliner Modeschöpferin Nadine Miyahara eine Plattform, um die Kleider aus der aktuellen Kollektion ihrer Marke "MILA MIYAHARA" zu zeigen. Ferner gab der Geschäftsführer der Monster Europe Ltd. Noel Lee, der sich selbst als "Chef-Monster" bezeichnet, den Beginn einer Kooperation mit den Machern der italienischen Modemarke "DIESEL" bekannt. Als erstes gemeinsames Produkt stellte er den neuen Kopfhörer "Diesel Vektr" vor. Obendrein trat das "Gesicht" der Funkausstellung "Miss IFA" nunmehr im sportlichen Sakko und in schmaler Bundfaltenhose anstelle des bisherigen Kleides auf; der Grundstoff war ein roter Seidenstoff, welcher durch robustes Lachsleder ergänzt war. Der Stilwechsel ergab sich aus der Kooperation mit den Machern der jungen Berliner Marke "barre|noire".

Die Fachmesse war nach dem erfolgreichen Vorjahre weiterhin auf Wachstumskurs. Das einzige Limit für die diesjährige Funkausstellung unter dem Motto "Get in touch" mit 1.441 Ausstellern war die Kapazität des Messegeländes. Der regen Nachfrage nach Ausstellungsflächen - Zuwachs von vier Prozent - konnte nur durch den Bau temporärer Hallen und durch die kreative Erschließung von Freigeländeflächen Rechnung getragen werden. Bei den Produkten war neben der 3D-Technologie die Verschmelzung des Fernsehens und "Internets" zum "Smart TV" wegweisend. Die Segnungen der modernen Technik blieben zu guter Letzt auch der Jugend nicht verborgen, da Schüler aus 84 Berliner und Brandenburger Klassen ab der Jahrgangsstufe 7 auf vielseitigen Lernparcours des Projektes " Schule@IFA" die Funkausstellung erkundeten.

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