Die USA reagierten wie bei dem Überfall auf Pearl Harbour im Dezember 1941: mit Krieg. Ein Großteil der Nato, inklusive Deutschland sowie der Türkei, Jordanien und der Vereinigten Arabischen
Emirate, schlossen sich dem Waffengang an. Ziel war der Sturz der in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban. Diese hatten Osama Bin Ladens Terrornetzwerk Al Kaida Unterstützung gewährt.
Es war ein falscher Krieg - aufgrund eines falschen Buches. Mit einem katastrophalen Ergebnis. Unmittelbar nach dem Anschlag des 11. September wurde Samuel Huntingtons Werk "Kampf der
Kulturen" zitiert. Der Autor glaubte, die islamische Welt kämpfe ihr letztes Gefecht gegen den christlichen Westen. Die Antwort der vom wiederbekehrten Christen George W. Bush regierten USA
bestand in einem neuen Kreuzzug.
Doch Huntington verwechselte einen kriegerischen Islamismus mit einem erwachenden, selbstbewussten Islam. Der von den USA geführte Westen begnügte sich nicht mit der Vertreibung der Taliban.
Man wollte dem mittelalterlichen Afghanistan eine westliche Demokratie mit Parteien und Frauenemanzipation aufzwingen. Dabei verwickelte man sich in einen Landkrieg in Asien, der zuvor bereits
die Briten und Sowjets ausbluten ließ und zum Rückzug zwang.
Bush und seine Verbündeten hätten Carl von Clausewitz' "Vom Kriege" lesen sollen. Darin erklärt der Preuße den Krieg als "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln". Nicht als
Politikersatz! Vielmehr als Gewaltakt, der allein dem übergeordneten politischen Zweck zu dienen habe.
Auch der Erneuerer Obama hat Clausewitz nicht begriffen. Oder kennt ihn nicht. Sonst hätte er die US-Truppen abgezogen, statt diese temporär zu verstärken. Die Deutschen sollten rasch aus
Afghanistan abziehen.
Die Lehre des 11. September lautet, Angriffe islamistischer Terroristen abzuwehren. Notfalls mit militärischer Gewalt, doch nie durch erschöpfende Landkriege. Vor allem aber Armut und
Rückständigkeit global zu bekämpfen. Und so religiösem und politischem Extremismus den Boden entziehen.







