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Europa, irgendwo hinterm Mond

Martin Kaysh • 02. September 2011

Rettet den Euro. Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de
Rettet den Euro. Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

Gewisse Nachrichten bringen mich auf die Palme. "Die Linke schickt acht Abgeordnete nach Europa", ist so eine. Da stört mich ausnahmsweise nicht die Linke, da stört mich die Formulierung. Wie soll man jemanden von Magdeburg oder Stuttgart nach Europa schicken? Michael Groß (SPD) aus dem Ruhrgebiet gelang bei der Bundestagswahl auch nicht der Sprung nach Deutschland, sondern "nach Berlin", in den Bundestag. Gut, in Bayern, da könnte es einer vielleicht noch "nach Deutschland" bringen. Wir reden so, als läge Deutschland nicht in Europa, sondern Europa irgendwo hinterm Mond.

Die Finanzkrise schürt nicht gerade die Freude an Europa. Dabei verstehe ich das Problem nicht. Derzeit bringen deutsche Staatsanleihen etwa drei Prozent Zinsen, Griechenland aber muss Geld für mehr als 13 Prozent aufnehmen. Da kann ich der vor sich hin regierenden Kanzlerin nur raten, sich möglichst viel billige Kohle zu besorgen, sie mit dickem Aufschlag in den Süden weiterzureichen und sich damit eine goldene Nase zu verdienen.

Das klingt bescheuert. Aber außerhalb der Politik kassiert man mit solchen Schiebereien gerne mal ein paar Millionen, möglichst noch vor dem Frühstück. Bevor man sich über das korrupte Griechenland erregt, schaue man mal nach, wie erfolgreich deutsche Unternehmen sich dort integriert haben. Die Firmennamen Siemens und Ferrostaal helfen bei der Suche.

Europa ist klasse. Früher führten wir gerne Kriege gegeneinander, bei denen große Unternehmen profitierten und kleine Leute starben. In kriegsfreien Krisen sollen heute alle verzichten - die Reichen auf hohe Steuern und die nicht so Reichen auf Arbeit und Sozialleistungen. Europa hat viel mit Würde zu tun. Oft hört man einen Politiker, er würde gerne, aber Brüssel erlaube nicht. Was häufig eine billige Ausrede ist, billig auch noch angesichts der Milliarden, die Deutschland für die EU zahlt.

Einige nationale Eigenheiten sollten von Brüssel nicht angetastet werden. Die USA könnten da Vorbild sein: sind Weltmacht, obwohl man immer wieder von absurden Gesetzen hört, die es etwa Pferden in Idaho sonntags verbieten, aus Flugzeugen zu kotzen. Pferde sind mir egal. Nicht so Arbeiternehmerrechte. Die deutsche Mitbestimmung liefert zwar nicht so spektakuläre Bilder wie ein Generalstreik, dafür oft bessere Ergebnisse für die Beschäftigten. Auch wenn mancher Manager in den USA das für absurd hält.

Martin Kaysh ist Kabarettist, Alternativkarnevalist ("Geierabend") und Blogger. Er lebt im Ruhrgebiet, freiwillig.

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