"Ich bin ausgeflippt!". Die Diplom-Psychologin bleibt ansonsten bescheiden, wenn sie von der Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuzes spricht: "Ich wusste, dass ich wie viele andere in den 150 angefragten Jugendverbänden für die Auszeichnung vorgeschlagen wurde, aber unzählige junge Menschen hätten diese Auszeichnung ebenfalls verdient." Saskia Scholten versteht sich als Repräsentantin einer jungen Generation, die sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft engagiert.
Einsatz für Ruanda
Im Partnerland von Rheinland-Pfalz, Ruanda, absolvierte sie 2005 einen Freiwilligendienst. Über die Partnerschaft der Alt-Katholischen Kirche in Landau mit dem anglikanischen Bistum Shyogwe arbeitete sie als Freiwillige in Gitarama und Ruhango. Für die Homepage der Stadt Landau schrieb sie Tagebuch, der Blog wurde mittlerweile als "Ruanda Tagebuch" im Iatros-Verlag veröffentlicht.
Mit den Erlösen unterstützt Sie Waisenkinder in dem afrikanischen Land. "Die HIV-Waisenkinder, die ich mit dem Buch unterstütze, haben mittlerweile eine Kooperative gegründet und sind nach wie vor aktiv. Sie sind mir während meines Aufenthalts besonders ans Herz gewachsen", begründet Scholten Ihr Engagement gegenüber dem Pfälzer Tageblatt.
Familiär geprägt
Infiziert mit dem Ruanda-Virus wurde sie in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Dort ist sie seit ihrem achten Lebensjahr Mitglied. Seit Mitte der 1980er Jahre pflegt die DPSG eine Partnerschaft mit den ruandischen Pfadfindern. Saskias Onkel, Alfons Scholten, war 1992 - während des Genozids in Ruanda - bei der DPSG für diese Partnerschaft zuständig. Ihm gelang es, rund 20 Pfadfinderinnen und Pfadfinder vor dem Völkermord zu retten.
Ihr Engagement begründet Scholten eindrucksvoll: "Baden-Powell, der Begründer der Pfadfinderbewegung, hat es einmal so formuliert, dass wir die Welt ein bisschen besser hinterlassen sollen als wir sie vorgefunden haben. Ich habe bei den Pfadfindern gelernt, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, hinzuschauen und mir eine Meinung zu bilden. Danach versuche ich zu handeln." Wie selbstverständlich sagt die hinterher: "Und es gibt stets Möglichkeiten zum Handeln."
Weltverbesserin
Seit vergangenem Jahr ist Saskia Scholten SPD-Mitglied. Als Studentin in Konstanz hat sie für die Grüne Hochschulgruppe kandidiert und war auch AStA-Mitglied. Wenn sie heute achtjährige Pfadfinderinnen und Pfadfinder sieht, kommt sie ins Grübeln: "Dann frage ich mich, ob jemand einen Weg einschlägt, wie ich ihn gewählt habe."
Auf die Frage, was sie sich wünschen würde, antwortet sie visionär: "Weltfrieden, ein funktionierendes Gesundheitssystem, Familie, sachorientierte Diskussionen in Politik und Gesellschaft, ein Zusammenwachsen Europas, mehr kritischen Konsum, beispielsweise durch fairen Handel oder durch weniger Fleisch essen, damit die Diskussionen um die Weltwirtschaftskrise endlich ein Ende haben und aktivetwas gegen den Klimawandel getan wird. Mal wieder ins Ausland zu gehen, eine internationale Transaktionssteuer und das bedingungslose Grundeinkommen zur Verringerung von Ungerechtigkeit sowie ganzheitliche Bildung." Fest steht: Saskia Scholten wird die Welt wohl besser hinterlassen, wie sie sie vorgefunden hat.







