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In der Sackgasse

Maicke Mackerodt • 29. August 2011

Foto: Maicke Mackerodt
Markus Heuken gibt Integrationskurse für Erwachsene. Foto: Maicke Mackerodt

Dienstags bis freitags fängt der Unterricht um 9 Uhr an. Ich komme eine halbe Stunde eher, kopiere die Grammatikübungen und schaue in die Übergabemappe. So bin ich informiert, was meine Kollegin gemacht hat. Wir begleiten die ausländischen Kursteilnehmer bis zur Prüfung und müssen sechs Bücher durcharbeiten. Die Schule lässt uns viel Freiraum, wie wir den Unterricht gestalten.

Das Unterrichten von Erwachsenen macht mir Spaß
In jeder Klasse sind etwa zwölf Frauen und Männer. Sie kommen aus Algerien, Marokko, Russland oder dem Iran. Das ist eine besondere Atmosphäre, mit so vielen Kulturen in einem Raum. Wenn ich miterlebe, wie sich eine Philippinin mit einer Türkin anfreundet, ist das schön. Ich habe gleich nach meinem Uni-Abschluss angefangen, Sprachkurse für Migranten zu geben - und sofort gemerkt, dass es mir Spaß macht. Jetzt arbeite ich schon seit fünfeinhalb Jahren als Integra­tionslehrer.

Es ist enorm, was die Teilnehmer leisten
Obwohl die meisten nicht gut Deutsch sprechen, fällt es mir leicht, lebendig zu unterrichten. Ich übe mit ihnen, Briefe an Behörden zu schreiben, erkläre die deutsche Grammatik, mache Hörübungen für den Alltag. Manchmal erzählen sie von sich. Etwa, dass sie keine größere Wohnung finden, weil sie drei Kinder haben. Ich versuche zu helfen, Tipps zu geben. Wenn Schüler zu spät kommen, haben sie mir vorher gesagt, dass sie Sorgen haben oder nachts arbeiten müssen. Auf solche Situationen muss ich doch eingehen. Es ist enorm, was die Teilnehmer leisten. Das bewundere ich. Zurzeit betreue ich drei Kurse, vormittags, nachmittags, abends. Der letzte Kurs endet um 21 Uhr. Demnächst will ich meine Lizenz als Prüfer für Integrationskurse verlängern.

Wenn ich krank bin, verdiene ich nichts
Deutsch für Ausländer: Dazu gehört auch, im Orientierungskurs die Vorzüge des Sozialstaates zu erklären. Das fällt mir schwer. Die Teilnehmer denken, ich bin ein gut verdienender Lehrer. Das stimmt nicht. Als freiberuflicher Dozent habe ich keinen festen Vertrag, muss alle Sozialabgaben selber zahlen. Wenn ich krank werde, verdiene ich nichts. Mein Honorar erhalte ich erst, wenn der Bund die Sprachschule bezahlt hat. Das kann vier bis fünf Monate dauern. Das ist nur möglich, weil meine Eltern mich unterstützen. Finanziell bin ich in einer Sackgasse. Ich weiß nicht, wie lange das noch so weitergehen kann.

Aufgezeichnet von Maicke Mackerodt

Integrationslehrer Markus Heuken 40 Jahre, lebt in Bonn Ausbildung: Studium: Englisch und Geschichte auf Lehramt, Zustzausbildung:Deutsch als Fremsprache
Status: selbstständig
Gehalt: 15bis 18 Euro die Stunde, rund 1300 Euro monatlich
Arbeitszeit: etwa 30 Stunden Unterricht plus Korrekturen, Tests, Vorbereitungen, insgesamt 45-50 Wochenstunden

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