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„Reicher werden, sexy bleiben“

Andy Pöttgen • 16. August 2011

Endlich hat sie es geschafft. Nach langem Anstehen am Buffet wurde sie noch durch ein längeres Interview vom Essen abgehalten. Katja Kullmann sitzt nun entspannt auf der Biergarnitur, widmet sich ihrem Teller und lässt den Abend mit angeregten Gesprächen ausklingen. Zuvor hatte die Autorin ("Generation Ally", "Echtleben") auf dem Podium kontrovers diskutiert.

Sie sprach viel vom wirklichen Leben der Kreativen in Berlin. "Es ist doch so, dass die Macher der Kreativwirtschaft selbst noch im Alter von 40 von ihren Eltern aus dem Westen finanziert werden." Anders sei das Leben in Berlin für viele nicht zu meistern, so Kullmann. Aus dem Publikum gibt es Applaus für diese offenen Worte.

Vielfalt der Kultur

Während Kullmann für die kleine, freie Szene spricht, sind auf dem Podium viele Kulturschaffende aus unterschiedlichen Bereichen vertreten: Leonie Baumann ist Leiterin der Kunstschule in Weißensee, Ulrich Khuon ist Intendant des Deutschen Theaters, Michael Michalsky ist Berliner Modeschöpfer, Paul van Dyk ist DJ und Produzent. In der Mitte sitzt ihr Kultursenator und regierender Bürgermeister der Stadt, Klaus Wowereit. Gemeinsam diskutieren sie darüber, wie Berlin in den kommenden Jahren als Kulturstadt "reicher werden, sexy bleiben" kann.

Wowereit nimmt sein Publikum den Abend über mit auf eine Reise durch die Kultur in seiner Stadt. Er hilft, Berlin zu verstehen: Berlin sei die Stadt der Kreativen. "Wir haben Hochkultur, sind Musik- und Modestadt, Urban Art entwickelt sich, Design- und Clubszene sind wichtig für uns", betont er. Alles gehöre zusammen. "Die gegenseitige Befruchtung ist wichtig für die Kreativität dieser Stadt."

Stadt im Wandel

In den vergangenen Jahren habe sich viel getan und viel werde sich in den kommenden Jahren tun. "Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass wir Berlin einmal Modestadt nennen dürfen", freut sich Wowereit. Designer Michalsky berichtet von seiner ersten Modeschau in der Stadt. "Die durfte ich im Roten Rathaus machen", in anderen Städten hätte es so eine Unterstützung nicht gegeben, sagte er.

Bei seiner Rede steht Wowereit am Pult und spricht deutliche Worte: "Wir machen Politik, damit Berlin ökonomisch besser dasteht." Dies heiße auch, dass es zukünftig höhere Preise beispielsweise für Ateliers gebe. "Ich sehe darin keine Gefahr. Es ist eine Herausforderung", so der Bürgermeister kämpferisch.

Auch in den kommenden Jahren würden die Gelder nicht sprudeln, beschreibt Wowereit die Situation der Stadt. Daher müsse man gemeinsam diskutieren, "damit sich internationale Künstler auch in Zukunft für Berlin entscheiden".

Wofür Geld einsetzen?

Auf dem Podium wird über die finanzielle Förderung von Kultur diskutiert. Der weltbekannte Techno-DJ Paul van Dyk ist der Meinung, dass Kultur nicht per se gefördert werden müsse: "Es gibt wichtige Kultur, die ein Bindemittel in unserer Gesellschaft ist - Die muss auch unterstützt werden." Aber nicht alles, was sich Kultur nenne, müsse gefördert werden. Die Wirkung in der Gesellschaft sei entscheidend.

Ulrich Khoun ist die kulturelle Bildung in der Stadt wichtig. Mehr Raum für Kultur in Berlins Schulen sei entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft. "Die Selbstständigkeit und kulturelle Anschlussfähigkeit, die dort jeden Tag vermittelt wird, ist bedeutend für unsere Kinder." Er wünscht sich, dass Schul- und Kulturbehörde im Berliner Senat mehr zusammenarbeiten. "Es wird heute schon viel gemacht - Es gibt aber noch viel zu tun", meint Khuon. Er habe das Gefühl, dass viel in Strukturen des Senats hängen bliebe.

Wowereit stimmt zu: "Da muss etwas passieren." Er wolle, dass es gezielte Kooperationen zwischen Schulen und Kulturschaffenden gebe. Die kulturelle Bildung müsse aber auch alltäglich gelebt werden. "Das können wir nicht einfach von oben diktieren."

Kein "Alles für Alle"

Katja Kullmann hat Berlin den Rücken gekehrt. Sie lebt und arbeitet heute in Hamburg. In Berlin hat sie in ihrem Bereich keine Arbeit gefunden.

Klaus Wowereit schweigt dazu. Ein sorgloses "Alles für Alle" verspricht er nicht. Er sagt was geht und was nicht. Er vermittelt den Eindruck, dass er in den kommenden Jahren mit Engagement für "Struktur", wie er es nennt, in der Kulturstadt sorgen will. Wenn das klappt finden vielleicht auch Autorinnen wie Kullmann wieder ihren Platz in der Kulturstadt Berlin. Bis dahin genießt sie ihren Wein unter Sternenhimmel am Palais der Kulturbrauerei.

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