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Der Fall Leo Kirch

Bernhard Spring • 18. July 2011

Deutschlands Fernsehlandschaft: Von Leo Kirch revolutioniert, Bild: Tomsk/Pixelio
Deutschlands Fernsehlandschaft: Von Leo Kirch revolutioniert, Bild: Tomsk/Pixelio

Die Karriere des Leo Kirch begann 1955, als der noch nicht mal dreißigjährige Betriebswirt sein erstes Unternehmen gründete, mit dem er Filmrechte vertrieb. Schnell etablierte er sich am Markt, gründete zahlreiche Tochterunternehmen und andere Gesellschaften, die mögliche Konkurrenten verdrängten und bald allein den deutschen Fernsehsendern den Zugang zum europäischen und internationalen Film vermittelten. Nahezu aus dem Nichts erstanden Sirius Film (1955), BetaFilm (1959), TaurusFilm (1963), Unitel (1966) und IdunaFilm (1968), die noch heute die visuelle Medienlandschaft maßgeblich mitgestalten.

Mancher Deal platzte

Natürlich gab es auch Rückschläge, etwa als die ARD 1983 direkt mit Hollywood verhandelte und sich selbst Senderechte sicherte. Dieser Deal ging an Kirch vorbei. Doch schon zwei Jahre darauf kaufte er sich im Axel-Springer-Verlag ein und stieg später bei den Sendern Sat1, Kabel1 und ProSieben ein.
Kirchs Griff zum Bezahlfernsehen und seine immense Förderung der Bundesliga - die unter anderem die Fußballergehälter explodieren ließ - sorgten immer wieder für Berichte über die angebliche Zahlungsunfähigkeit des Medienzaren. 2002 war es dann soweit: Die Kirch-Gruppe meldete Insolvenz an und wurde in ihre einzelnen Sparten zerschlagen.

Kirch rettete sich mit Beteiligungen, die nicht zur Insolvenzmasse gehörten und versuchte 2007, die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga zu vermarkten - was vom Bundeskartellamt verhindert wurde.

Große Männer - kalte Wirtschaft

Leo Kirch war über viele Jahre einer der einflussreichsten Menschen in der deutschen Medienbranche, hat aber mit seinem Sturz auch die größte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik verursacht. Er verkörperte das nicht ganz saubere Großmännertum der kalten Wirtschaft.

Was bleibt, sind die Geschichten. Die von seinem ersten Film, "La Strada" von Federico Fellini, den Kirch noch persönlich aus Italien holte, gekauft mit geborgten Geld von seiner angeheirateten Verwandtschaft. Oder die spätere Zeit der CDU-Spendenaffäre, als Kirch seinem Freund Helmut Kohl mit einer Million DM aus der Patsche half. Das aber ist eine weniger beschauliche Geschichte.

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