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Das Schicksal der Roma in Berlin

Bernhard Spring • 18. July 2011

Musik um zu Überleben: Roma in Deutschland, Foto: Jerzy/Pixelio
Musik um zu Überleben: Roma in Deutschland, Foto: Jerzy/Pixelio

Im Februar 2005 unterzeichneten die Regierungen von Tschechien, der Slowakei, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Ungarn, Bulgarien und Rumänien die Erklärung, mit der die folgenden zehn Jahre als "Decade of Roma Inclusion" ausgerufen wurden. In diesem Zeitraum sollten die Lebensumstände der zehn bis zwölf Millionen Roma Ost- und Südosteuropas merklich verbessert werden. Die Erwartungen an die Regierungen waren anfangs hoch, immerhin werden die Maßnahmen von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen mitfinanziert und die teilnehmenden Staaten wollten sich der EU würdig zeigen: Tschechien, die Slowakei und Ungarn waren 2004 aufgenommen worden, Rumänien und Bulgarien folgten 2007. Kroatien und Mazedonien hingegen gelten als Beitrittskandidaten, Serbien strebt ebenfalls langfristig eine Zugehörigkeit zur EU an.

Doch schon 2006 kam die Initiative DecadeWatch zu einem ernüchternden Zwischenergebnis der bisherigen Bemühungen. Besonders in Mazedonien, Montenegro und Albanien ließen sich kaum Fortschritte verzeichnen, weil Ressentiments gegen Roma nicht abgebaut würden, die Regierungen nur zögerlich einbindende Maßnahmen durch alle Verwaltungsebenen gäben - und weil schlichtweg keine aussagekräftigen Daten über die Roma, ihre wirtschaftliche und soziale Lage vorhanden seien. Über die größte Minderheit Europas ist viel zu wenig bekannt.

Desillusionierte Parallelgesellschaft in Neukölln

Die Roma haben sich damit abgefunden, sie haben eine desillusionierende Parallelgesellschaft gegründet, zu der bulgarische Brautmärkte ebenso gehören wie Übergriffe von italienischen Polizisten auf Romalager. Oder die Abwanderung nach Berlin.
Inzwischen berichten sogar rumänische Zeitungen schon von der prekären Lage ihrer ungeliebten Auswanderer. In Berlin haben die Roma sich hauptsächlich in Neukölln niedergelassen. Die Schillerpromenade, die Flughafenstraße, die Kirchhofstraße, die High-Deck-Siedlung: Hier wohnen die rumänischen, bulgarischen und polnischen Roma, oft illegal als Untermieter von Hartz IV-Empfängern, die sich auf diese Weise etwas dazuverdienen. So lebt die 14-jährige Maia, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, mit ihren sechs Geschwistern und der alleinerziehenden Mutter in einer Zweizimmerwohnung und träumt von einer Anstellung als Friseurin.

Das Leben der Roma in Berlin ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Kriminalität, mangelnden Sprachkenntnissen und geringer Schulbildung bis zum Analphabetentum. Nur die Hälfte der vermuteten Romakinder Berlins besucht eine Schule, vorrangig Förderschulen. Hier müssen die Lehrer gegen alleinstehende Mütter, autoritäre Väter und Angehörige der mafiösen Clans bestehen, hinzu kommen Vandalismus und körperliche Gewalt unter den Schülern, Schulschwänzen. Was bleibt, sind Pädagogen, die sich zu allererst den Respekt der Jugendlichen verdienen müssen, bevor sie unterrichten können.
Die Perspektiven sehen anschließend dennoch bescheiden aus. Nur ein Drittel der Förderschüler erreichen einen Abschluss, die Jugendarbeitslosigkeit in Neukölln liegt bei etwa 30 Prozent. Jugendschwangerschaften und Mädchenheiraten tragen die sozialen Probleme der Roma frühzeitig in die nächste Generation. Die Herausforderungen der Roma-Dekade haben längst Berlin erreicht.

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