Neulich, kurz vor der Tagesschau, Flughafen Köln/Bonn. Man hat hier zwar einen schönen, viergleisigen, unterirdischen Bahnhof gebaut. Es fährt aber kein Zug nach Bonn. Jedenfalls nicht am frühen Samstagabend. Für wen auch, ist ja kaum ein Mensch zu sehen auf dem schick aufpolierten Flughafen. Leicht genervt notiere ich mir: Dringend bei den Umweltbewegten mal nachfragen, ob Schienenverkehr auch dann ökologisch korrekt ist, wenn er Menschen zum ökologisch nicht ganz so korrekten Flugzeug bringt. Immerhin fährt ein Linienbus, in 52 Minuten.
Zugegeben, ein Luxusproblem. Ich komme vom Flughafen Dresden. Auch so ein Luxusproblem, wie die meisten Airports, die ich zuletzt besucht habe. Weeze, Hahn, Erfurt, Dortmund. Diese modernen
Denkmäler größenwahnsinniger Landräte und Ministerpräsidenten haben meist eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, dafür aber Millionen an Steuergeldern verschlungen. Der Bringer
sind sie oft nicht. Dresden ist gut angeschlossen, die - natür-
lich unterirdische - Straßenbahnstation blitzblank und menschenleer. So leer, dass ich mein vergessenes Viererticket noch nach einer Viertelstunde aus dem Ausgabeschacht des
Fahrkartenautomaten puhlen konnte, weil zwischenzeitlich kein weiterer Fahrgast aufgetaucht war. Am Anreisetag zum Kirchentag.
Noch ein Luxusproblem. Woanders wollen Hunderttausende mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, aber da kommt nie eine Bahn. Es sei denn, man kann warten. Auf eine schnelle Verbindung, den Rhein-Ruhr-Express zum Beispiel, der soll in etwa zehn Jahren kommen, oder auch nicht. Alternativ plant man jetzt ernsthaft: eine Fahrradautobahn. Die hilft wenig, wenn du morgens früh um sechs zur Arbeit musst. Falls du mit deinem Altauto noch in das "Umweltzone" getaufte Sperrgebiet kommst.
Das Auto fährst du, weil auch die Abwrackprämie dir keinen neuen Klein-wagen vor die Tür stellt. Selbst das ist
ein Luxusproblem. Es gibt Menschen, die sind auf ein bezahlbares Sozialticket angewiesen. Das scheitert dann leider an der Finanzierung, weil das städtische Verkehrsunternehmen die ganze
Kohle für den Flughafen ausgegeben hat. Wie gesagt, Luxusprobleme, also Probleme, die durch Luxus erst entstehen. Der verschlingt so viel Geld, da bleibt nichts übrig für den Normalverkehr. Am
späten Abend war ich dann noch in Bonn unterwegs, zu Fuß natürlich.
Martin Kaysh ist Kabarettist, Alternativkarnevalist ("Geierabend") und Blogger. Er lebt
im Ruhrgebiet, freiwillig.







