Artikel (Archiv) > 52 Minuten warten – das nervt!

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Von Martin Kaysh

52 Minuten warten – das nervt!

Martin Kaysh • 17. July 2011

Foto: Martin Wegner  / pixelio.de
Foto: Martin Wegner / pixelio.de

Neulich, kurz vor der Tagesschau, Flughafen Köln/Bonn. Man hat hier zwar einen schönen, viergleisigen, unterirdischen Bahnhof gebaut. Es fährt aber kein Zug nach Bonn. Jedenfalls nicht am frühen Samstagabend. Für wen auch, ist ja kaum ein Mensch zu sehen auf dem schick aufpolierten Flughafen. Leicht genervt notiere ich mir: Dringend bei den Umweltbewegten mal nachfragen, ob Schienenverkehr auch dann ökologisch korrekt ist, wenn er Menschen zum ökologisch nicht ganz so korrekten Flugzeug bringt. Immerhin fährt ein Linienbus, in 52 Minuten.

Zugegeben, ein Luxusproblem. Ich komme vom Flughafen Dresden. Auch so ein Luxusproblem, wie die meisten Airports, die ich zuletzt besucht habe. Weeze, Hahn, Erfurt, Dortmund. Diese modernen Denkmäler größenwahnsinniger Landräte und Ministerpräsidenten haben meist eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, dafür aber Millionen an Steuergeldern verschlungen. Der Bringer sind sie oft nicht. Dresden ist gut angeschlossen, die - natür-
lich unterirdische - Straßenbahnstation blitzblank und menschenleer. So leer, dass ich mein vergessenes Viererticket noch nach einer Viertelstunde aus dem Ausgabeschacht des Fahrkartenautomaten puhlen konnte, weil zwischenzeitlich kein weiterer Fahrgast aufgetaucht war. Am Anreisetag zum Kirchentag.

Noch ein Luxusproblem. Woanders wollen Hunderttausende mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, aber da kommt nie eine Bahn. Es sei denn, man kann warten. Auf eine schnelle Verbindung, den Rhein-Ruhr-Express zum Beispiel, der soll in etwa zehn Jahren kommen, oder auch nicht. Alternativ plant man jetzt ernsthaft: eine Fahrradautobahn. Die hilft wenig, wenn du morgens früh um sechs zur Arbeit musst. Falls du mit deinem Altauto noch in das "Umweltzone" getaufte Sperrgebiet kommst.

Das Auto fährst du, weil auch die Abwrackprämie dir keinen neuen Klein-wagen vor die Tür stellt. Selbst das ist
ein Luxusproblem. Es gibt Menschen, die sind auf ein bezahlbares Sozialticket angewiesen. Das scheitert dann leider an der Finanzierung, weil das städtische Verkehrsunternehmen die ganze Kohle für den Flughafen ausgegeben hat. Wie gesagt, Luxusprobleme, also Probleme, die durch Luxus erst entstehen. Der verschlingt so viel Geld, da bleibt nichts übrig für den Normalverkehr. Am späten Abend war ich dann noch in Bonn unterwegs, zu Fuß natürlich.

Martin Kaysh ist Kabarettist, Alternativkarnevalist ("Geierabend") und Blogger. Er lebt im Ruhrgebiet, freiwillig.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Cover: Oldenbourg Verlag

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Icon Rezension; Jörg Hafkemeyer: "Der Patriot"

Der kleine große Mann aus der zweiten Reihe

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

Für Lothar (André M. Hennicke) gibt es wohl kein Zurück   in sein bisheriges Leben.

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“

Icon Wuppertal-Vohwinkel

Der braune Fleck im Stadtbild