Der sozialdemokratische Politiker Julius Deutsch war einer der maßgeblichen Gestalter der ersten österreichischen Republik. Als Staatssekretär für Heerwesen war er der geistige
Vater der "Volkswehr", der ersten bewaffneten Macht der jungen Republik und wirkte federführend beim Aufbau des österreichischen Bundesheeres. Julius Deutsch spielte eine bedeutende Rolle in
den entscheidenden Augenblicken der österreichischen Geschichte und stand im Widerstand gegen den Faschismus in Österreich und Europa in der ersten Reihe.
Linke Sozialisierung
Seine frühe Kindheit verbrachte Julius Deutsch in Lackenbach im österreichischen Burgenland als Sohn eines jüdischen Gastwirts, später zog die Familie nach Wien. Der Vater von Julius Deutsch war leidenschaftlicher Anhänger der Arbeiterpartei und so wuchs der junge Deutsch in einer vom Klassenkampf der Arbeiter geprägten Atmosphäre auf.
Im Jahre 1898 begann er eine Lehre als Buchdrucker, fast zeitgleich begann sein Engagement für die Arbeiterbewegung. Bald lernte er auch Victor Adler kennen, den Gründer der
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei
(SDAP) in Österreich. Mit der Unterstützung von Adler konnte Julius Deutsch Rechtswissenschaften studieren und im Jahre 1908 promovieren. Danach arbeitete er für die SDAP in Wien. Von 1914
bis 1917 kämpfte Julius Deutsch als Landsturmoffizier einer Artillerieeinheit an den Fronten des Ersten Weltkrieges. Ende 1917 rief man den mehrfach ausgezeichneten Frontoffizier ins
Kriegsministerium nach Wien.
Widerstand als Politiker und General
Neben seiner Funktion als Staatssekretär war Julius Deutsch für die Sozialdemokraten 1919/20 in der Konstituierenden Nationalversammlung und bis Februar 1934 Abgeordneter zum
Nationalrat. Er erlangte zudem Bedeutung als Gründer des
Republikanischen Schutzbundes
und wurde auf dessen erster Reichskonferenz zum Obmann gewählt.
Nach der Errichtung des austrofaschistischen Ständestaates 1933 und den Februarkämpfen 1934, in deren Folge der Schutzbund zerschlagen und die
Sozialdemokratische Arbeiterpartei
verboten wurde, flüchtete Julius Deutsch zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der SDAP Otto Bauer in die Tschechoslowakei. Im Exil in Brünn bauten sie das Auslandsbüro der
österreichischen Sozialdemokraten (ALÖS) auf.
Als Julius Deutsch im Spätsommer 1936 am Weltfriedenskongress in Brüssel teilnahm, war der Spanische Bürgerkrieg bereits ausgebrochen. Deutsch meldete sich als Freiwilliger:
"Wieder in Brünn angekommen, sandte ich ein Telegramm an die spanische Gesandtschaft in Paris. Ich beglückwünschte das spanische Volk zu seiner Kampfesentschlossenheit und stellte mich ihm zur
Verfügung." Von 1936 bis 1939 war Julius Deutsch als General und militärischer Berater der republikanischen Regierung an fast allen Fronten des Spanischen Bürgerkrieges. Einer seiner Adjutanten
war der Major Rolf Reventlow, ein deutscher Sozialdemokrat.
Rückkehr nach Wien
Nach der Niederlage der Republikaner im Bürgerkrieg 1939 ging Julius Deutsch nach Paris und engagierte sich in der
Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten
(AVOES). Gleichzeitig setzte er sich zusammen mit dem französischen Minister Jules Moch für eine Verbesserung der Situation der in französischen Lagern inhaftierten Spanienkämpfer
ein.
Nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht musste Julius Deutsch erneut emigrieren. Sein Weg führte ihn ins Exil in die Vereinigten Staaten . Deutsch lernte dort seine zweite Frau Adrienne Thomas kennen, eine deutsche Schriftstellerin jüdischer Abstammung. Mit ihr zusammen kehrte er 1947 nach Wien zurück. Julius Deutsch leitete bis 1951 die Sozialistischen Verlagsanstalten und starb am 17. Januar 1968 in seiner Heimatstadt Wien.
Mehr Informationen finden Sie beim Weblexikon der Wiener Sozialdemokrtie: www.dasrotewien.at/weblexikon.html







