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Icon   Fiebrige Spekulation hält Europa in Atem

Griechenland umschulden: Kurz und schmerzhaft!

Dietrich Jörn Weder • 12. July 2011

Gerd Altmann  / pixelio.de
Gerd Altmann / pixelio.de

Der Vorschlag, die griechischen Schuldtitel um 30 bis 40 Prozent abzuwerten und die Rückzahlung des Restes durch die Euroländer gemeinschaftlich zu garantieren, gewinnt mit jedem Tag neue Anhänger.

Eben dies empfiehlt jetzt auch der Commerzbank-Chef Martin Blessing, erstaunlicher Weise, wo doch auch seine Bank einige Milliarden in Griechenland ausstehen hat. Doch der Spatz in der Hand- ein sicherer Rest- ist Blessing lieber als die Taube auf dem Dach, - die höchstwahrscheinlich illusorische Rückzahlung zum Nennwert.

Den Patienten rasch operieren

Geräuschlos wird das nicht über die Bühne gehen. Auch ein geordneter Staatsbankrott ist ein Riesenkladderadatsch. Unter anderem wird man die griechischen Banken wohl stützen müssen, um sie zahlungsfähig zu halten. Aber ist es nicht besser, einen Wundbrand herauszuschneiden als ihn schwelen zu lassen? Dem Euro dürfte eine solche Operation schon auf mittlere Sicht mehr nutzen als schaden.

Eine Staatsschuld, die das Anderthalbfache der griechischen Wirtschaftsleistung ausmacht und zudem mit hohen Zinsen beschwert ist, könnten auch stärkere Länder kaum abtragen. Papandreous bisher gelungene parlamentarische Kraftakte in allen Ehren. Aber was ist das für ein Land, in dem sich die Opposition jeglicher Mitverantwortung verweigert und die Gewerkschaften mit Streiks den Tourismus als den einzigen großen Geldbringer gefährden!

Dabei hat der unerlässliche Verkauf von griechischem Staatsvermögen noch gar nicht begonnen. Und der Abbau des aufgebähten Staatsapparates ist eine Aufgabe, mit der sich selbst ein Herkules schwertun würde, der doch bekanntlich den Augiasstall ausgemistet hat. Das alles mag mit Glück und Disziplin nach Jahren endlich gelingen, doch darauf zu warten, bringen Gläubiger und Öffentlichkeit offensichtlich nicht die nötige Geduld auf. Inzwischen machen sich die nervösen Märkte über Portugal, Irland und vielleicht sogar Italien her, wofür es beunruhigende Anzeichen gibt.

Die Währungsunion schnell untermauern

Freilich, wer A sagt, muss bekanntlich auch B sagen. Kann man, will man, wenn es zum Schwur kommt, mit Portugal ähnlich verfahren? Dass man bei der Einführung des Euro keine Institutionen und Verfahren für solche Fälle geschaffen hat, erweist sich als ein ganz großer Mangel, der schnellstmöglich behoben werden muss. Jedenfalls machen die währungsstarken Mitglieder des Euroraums ein sehr schlechtes Geschäft, wenn sie für die absurd hohen Schuldzinsen der Krisenländer einstehen und zugleich die Rückzahlung von heute schon billig zu kaufenden Papieren zum Nennwert garantieren. Da lachen sich die privaten Gläubiger ins Fäustchen und unsere Bürger werden über kurz oder lang dagegen rebellieren.

Welche Lösung auch immer für die griechische Schuldenkrise gefunden wird, sie wird die Weltwährung Euro nicht im Grunde erschüttern. Doch sehnt man sich nach einer Regierung in Berlin, die eine klare Richtung in dieser Sache aufzeigt und durchhält, so wie es seinerzeit Merkel und Steinbrück in der deutschen Bankenkrise vorgemacht haben. Jede Lösung, die Abhilfe schafft, ist besser als eine, die die Dinge für unabsehbare Zeit in der Schwebe hält.

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