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Berliner Tagebuch

Uwe Knüpfer • 04. July 2011

Uwe Knüpfer Foto: Dirk Bleicker
Uwe Knüpfer Foto: Dirk Bleicker

Er ist sich ziemlich sicher, wer dafür verantwortlich ist, dass seine Kunden ihn plötzlich auf Gurken und Tomaten sitzen ließen. "Ich denke, es ist die Politik, die hinter alldem steht", sagte er der TAZ.

Man könnte auch sagen: Ilse Aigner (CSU). Die Verbraucherschutzministerin brachte angesichts der Ehec-"Epidemie" den europäischen Gemüsehandel fast im Alleingang zum Erliegen. Sie sah Gefahr im Verzug. Schließlich sind binnen eines Monats 25 Menschen an Ehec-Infektionen gestorben! Hoffentlich wird Super-Ilse Aigner nicht bei der nächsten Kabinettsumbildung Verkehrsministerin. Im Straßenverkehr sterben derzeit monatlich ca. 350 Menschen. Nach Aigners Logik höchste Zeit, alle Straßen vorsorglich zu sperren. Die Bundesregierung hat dem Wort "Gurkentruppe" eine neue Bedeutung gegeben.

Der Juni ist im politischen Berlin die Zeit der Sommerfeste. Dabei kann man Interessantes hören. Zum Beispiel, dass viele Journalisten, die gestern noch die Grünen hochgeschrieben haben, jetzt verkatert klingen. Gut möglich, dass sie im Herbst kollektiv die Hymne des Boulevardjournalismus anstimmen werden: "What goes up, must come down."

"Zu lange dem Boulevard Zucker gegeben" habe auch Kanzlerin Angela Merkel, nämlich in der Griechenland-Krise. Das sagte - "Und ich verstehe was davon" - ihr Vorgänger Gerhard Schröder beim Pfingsttreffen der Niedersachsen und Bremer. Mit dem Schüren nationaler Ressentiments "kann man vielleicht Wahlen gewinnen - man darf es aber nicht", schrieb Schröder seiner Nachfolgerin ins Klassenbuch.

Die Financial Times Deutschland hat der Regierung Merkel gleich ein Abschlusszeugnis ausgestellt. Dies sei "die schlechteste bürgerliche Regierung aller Zeiten". Leider noch nicht: gewesen.

Europa brennt. Und was tut die FDP (die übrigens den Außenminister stellt!)? Ihre kindliche Führungsriege ringt der Union, mitten in der größten Schul-
denkrise aller Zeiten, die Zusage ab, die, na was wohl?, richtig: die Steuern zu senken.

Das erinnert an einen Alkoholiker, der nach durchzechter Nacht am Traumstrand verkatert erwacht und lauthals grölt: "Caipirinha für alle!"

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