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Martine Aubry fordert Präsident Nicolas Sarkozy heraus

Lutz Hermann • 29. June 2011

Nationalversammlung. Foto: Webster_http://commons.wikimedia.org/wiki/
Nationalversammlung. Foto: Webster_http://commons.wikimedia.org/wiki/

Es sei höchste Zeit, dass Frankreich einen anderen Weg zu mehr Solidarität, Gerechtigkeit, Arbeit für die Jugend und zu zuversichtlicher Lebens- und Zukunftsplanung nehme. Aubry kündigte den Wandel in ihrer Heimatstadt Lille an, die sie seit Jahren als Oberbürgermeisterin leitet. Die Krise des Landes sei sehr ernst, aber Frankreich müsse wettbewerbsfähig bleiben. "Ich verspreche Euch den Sieg 2012!" Ob Aubry das Amt des 1. Sekretärs der PS vorübergehend niederlegt, blieb offen.

Heimlicher Favorit DSK fallen gelassen

Die Bewerbung für das höchste Staatsamt hatte Martine Aubry, Tochter des angesehenen ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors, solange nicht ernsthaft ins Auge gefasst, wie der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Sozialistund Parteifreund Dominique Strauss-Kahn (DSK), der heimliche Favorit gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy war. Nach dem Sexskandal in New York und seiner Verhaftung hat die PS den Ex-Finanzminister fallengelassen. Aubry wäre ohnehin nicht gegen ihn angetreten. An seine Stelle trat als Konkurrent der frühere PS-Chef Francois Hollande, dem in vielen Umfragen bisher mehr Stimmen als Aubry gegeben wurden.

Martine Aubry ist vor allem als Arbeitsministerin unter Premier Lionel Jospin vor 9 Jahren bekannt geworden. Sie führte die 35-Stunden-Woche mit einigem Erfolg ein, die über 100.000 Arbeitsplätze schaffte. Aubry gilt als durchsetzungsfähig, ehrgeizig aber wenig populär. Sie hat eine Tochter aus erster Ehe, ihr neuer Lebenspartner ist Anwalt. Ihr Privatleben hält sie weitgehend aus den Medien heraus.

Vor dem Hintergrund innerer Parteiquerelen - die Sarkozys Regierungspartei UMP bereits politisch ausschlachtet - wird es Martine Aubry nicht leicht haben. Mehrere Parteifreunde bewerben sich gleichfalls in der Vorwahl um den Posten des offiziellen Herausforderers. Die besten Chancen werden Hollande eingeräumt, der jahrelang die PS leitete und zum sozialdemokratischen Flügel zählt. Deshalb wird es das vorrangige Ziel von Aubry sein, einen Streit der Rivalen kleinzuhalten. Aus Erfahrung weiß sie, dass personelle Konflikte in der Opposition jede Chance eines Wahlsieges nehmen würden.

Schwerpunkt: Arbeits- und Sozialreformen

Als Rivalen haben sich geoutet die Ex-Präsidentschaftskandidatin von 2007, Ségolène Royal, einst Lebensgefährtin von Hollande, sowie die beiden Abgeordneten Manuel Valls und Arnaud Montebourg. Ihre Chancen werden als gering eingestuft. Politische Unterstützung findet Aubry vor allem beim früheren Premier unter Francois Mitterrand, Laurent Fabius. Was ihr in der Partei hoch angerechnet wird ist ihr pragmatisches Handeln und ihr Schwerpunkt Arbeits- und Sozialreformen. Hier braucht Frankreich dringend neue Impulse, allein mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit von nahezu 10 Prozent. Die wirtschaftliche Bilanz von Sarkozy ist ohnehin äußerst schlecht. In der letzten Umfrage von IFOP waren 73 Prozent der Befragten gegen seine Wirtschaftspolitik.

Schwierig wird es für Aubry werden, wenn sie sich gegen die sogenannten Partei-Elefanten wie Michel Rocard, Pierre Mauroy und Hollande durchsetzen muss. Sollten die Parteikollegen bei der Abstimmung über den offiziellen Bewerber im Herbst verlieren, ist noch lange nicht sicher, ob Martine Aubry die Partei geschlossen hinter sich hat. Auf ein Auseinanderfallen der Sozialistischen Partei setzt Sarkozy. Deshalb wird Aubry alles diplomatische Geschick aufbringen müssen, um die Partei für den Wahlkampf geschlossen zu halten.

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