vorwärts.de: Die Schiene hat im Güterverkehr in den vergangenen Jahren Marktanteile an die Straße verloren. Woran liegt das?
Karl-Friedrich Rausch: Das stimmt nur für 2009. Da sind wir mit der globalen Wirtschaftskrise eingebrochen und haben auch gegenüber der Straße leicht verloren. Doch das
Krisenjahr 2009 hat den langjährigen Trend nicht gebrochen: In Deutschland ist es uns 2010 gelungen, den Marktanteil gegenüber der Straße erneut zu erhöhen. Hier sind wir mit 17,2 Prozent wieder
auf Vorkrisenniveau. Die Schiene ist dabei stärker gewachsen als der Straßengüterverkehr. Auch europaweit haben wir auf der Schiene Marktanteile gewinnen können und sind weiterhin mit Abstand
Marktführer im europäischen Schienengüterverkehr.
Welche Entwicklung des Schienengüterverkehrs erwarten Sie für die Zukunft?
Wir sind auf einem langfristigen Wachstumskurs und rechnen mit durchschnittlichen Zuwächsen von vier Prozent. Die Aufnahmefähigkeit der Straße ist begrenzt; auf der Schiene liegt Potential,
beispielsweise im internationalen Containertransport. Bis 2030 erwarten wir eine Verdoppelung unserer Güterverkehre auf der Schiene. Das entspräche dann einem Marktanteil von 21 Prozent.
Welche Rahmenbedingungen muss die Politik setzen, damit sich der Güterverkehr in Deutschland positiv entwickelt?
Es müssen erstens ausreichende Investitionen in die Infrastruktur gesichert sein, gerade auf den Hauptverkehrskorridoren. Zweitens benötigen wir auf europäischer Ebene faire
Rahmenbedingungen hinsichtlich des Marktzugangs. Entscheidend für den Erfolg ist eine effektive Netzzugangsregulierung und nicht die Trennung von Netz und Betrieb. Das deutsche Modell ist hier
eine Erfolgsstory.
In welchem Umfang und mit welchem Schwerpunkt wird die DB in den Ausbau der Schieneninfrastruktur für den Güterverkehr investieren?
Wir haben ein Wachstumsprogramm mit 38 Einzelmaßnahmen im Netz, von dem auch der Güterverkehr profitiert. Gebaut wird an Knotenpunkten wie Frankfurt am Main, München und Mannheim/Heidelberg
und in zentralen Korridoren. Beispielsweise wird der zweigleisige Ausbau zwischen Uelzen und Stendal eine bessere Anbindung des mitteldeutschen Raumes an die Nordseehäfen ermöglichen. Ingesamt
werden rund 2,2 Milliarden Euro verbaut, um mittelfristig eine bessere Verteilung der Verkehrsströme auf das heutige Gesamtstreckennetz zu erzielen. Denn weitere Neubaustrecken, die zur
Entlastung führen, gehen erst nach 2017 in Betrieb.
Welche Rolle spielen europäische Wettbewerber für DB Schenker?
DB Schenker Rail ist mit über 25 Prozent Marktanteil die führende Güterbahn in Europa. Wir sind in 15 europäischen Ländern aktiv - mit eigenen Gesellschaften, Joint Ventures oder
Kooperationen. Wir stehen im Wettbewerb mit den anderen Bahnen und wir arbeiten zusammen, wenn das im Sinne unserer Kunden ist. Gutes Beispiel ist die Allianz Xrail, in der sieben Güterbahnen
erfolgreich den internationalen Einzelwagenverkehr entwickeln. Wir sind bei Xrail aktives Gründungsmitglied.
Was unternimmt die DB, um Anwohner vor zunehmendem Schienenlärm zu schützen?
Der Schienenverkehrslärm soll sich bis 2020 halbieren - im Vergleich zum Jahr 2000. Dafür gibt es seit 1999 das Bundes-Programm "Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes".
Allein 2010 hat die DB 53 Kilometer Schallschutzwände errichtet. Gut 43.800 Wohnungen wurden seit 2000 mit Schallschutzfenstern und Schalldämmlüftern ausgestattet. Wir erproben außerdem neue
Technologien im Lärm- und Erschütterungsschutz am Fahrweg, und wir beschaffen neue Güterwagen ausschließlich mit lärmarmen Bremsen, den so genannten Flüsterbremsen. Mehr als 6.700 solcher Wagen
sind heute schon im Einsatz. Außerdem testen wir unter dem Dach des Weltverbands UIC derzeit mit dem "Europe Train" eine "Flüsterbremse", die relativ kostengünstig in Wagen der Bestandsflotte
eingebaut werden kann. So kämpfen wir auch aktiv gegen den Lärm an der Quelle.
Karl-Friedrich Rausch ist seit Juni 2009 Vorstand für Transport und Logistik der DB
Mobility Logistics AG.
In der Juli/August-Ausgabe des vorwärts dreht sich alles um das Thema Mobilität. Sie ist ab 2. Juli an Bahnhöfen und Flughäfen erhältlich.







