Die Wende haben sie als Kinder und Jugendliche kaum selbst mitgestaltet. Und doch war ihr Heranwachsen begleitet von enormen gesellschaftlichen Veränderungen, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Ob Arbeitslosigkeit und Abwanderung oder erfolgreiche Biografien voller Umstellungen - die heute etwa 25- bis 35-Jährigen, die in der DDR geboren sind, verfügen über ganz besondere Erfahrungen. Die Macher des Projekts "3te Generation Ostdeutschland" sind überzeugt, dass die Gesellschaft davon nur profitieren kann.
Einladung zum Erfahrungsaustausch
Deshalb laden sie alle, die zu dieser dritten Generation Ostdeutscher gehören, zu einer gleichnamigen Konferenz vom 8.-10. Juli im Collegium Hungaricum in Berlin ein. Das Ziel ist zunächst ein sehr allgemeines: Es soll ein "Wissens- und Erfahrungsaustausch" ermöglicht werden, um "Ideen für zukünftiges Engagement zu entwickeln", heißt es in einer Pressemitteilung. Doch wie kann man schon eine ganze Generation einladen, die zum allerersten Mal zusammenkommen soll?
"Wir wollen uns auf Spurensuche begeben", sagt Adriana Lettrari, Mitorganisatorin des Treffens, denn "die Antworten soll die Generation selbst finden." Antworten auf die Frage nach ihrer Rolle im wiedervereinigten Land, darauf, wie man die Veränderungen nach 1989/90 erlebt hat oder wie man gemeinsam mit künftigen Herausforderungen umgehen kann. Und vor allem auf die Frage nach ihrem Selbstverständnis. Die jungen Ostdeutschen verfügten über eine besondere "Transformationskompetenz", der sie sich oft selbst nicht bewusst seien, sagt Lettrari. Deshalb stehe der Erfahrungsaustausch an erster Stelle.
Unterschätzte Erfahrungen Ostdeutscher
Die Organisatoren sehen in dem Projekt ein deutsch-deutsches Vorhaben. Die Anpassung vieler Ostdeutscher an die neue Wirklichkeit habe nicht funktioniert und es komme auch 20 Jahre nach der Wende darauf an, den spezifisch ostdeutschen Beitrag für das weitere Zusammenwachsen Deutschlands zu erkennen. Das Projekt wird auch von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert. Die Übertragung der politischen und wirtschaftlichen Ordnung der Bundesrepublik auf die ehemalige DDR habe zu großen "sozialen Verwerfungen" geführt, die neu reflektiert werden müssten, heißt es in einem Konzeptpapier.
Nicht nur die nach Westdeutschland Abgewanderten - "die Mobilen" - könnten die Gesellschaft durch ihre Migrationserfahrung bereichern. Auch "die Lokalen", also die Dagebliebenen, hätten tiefgreifende Veränderungen erlebt, von Arbeitslosigkeit bis zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit. Unter den Stichworten "Diskurs", "Netzwerk" und "Empowerment" sollen die Teilnehmer ins Gespräch kommen, Verbindungen knüpfen und das gemeinsame Handeln anstoßen.
Welche konkreten Projekte aus der Konferenz entstehen, werde sich erst zeigen, betont Adriana Lettrari. Eingeladen seien eben nicht nur bürgerschaftlich engagierte Menschen, sondern die gesamte Generation. Wer dieser Einladung folgt, so darf man erwarten, der wird nicht nur Gleichgesinnte treffen, sondern seine eigene Geschichte vielleicht auch mit neuen Augen sehen.
Weitere Informationen zur "Dritten Generation Ostdeutschland" finden Sie auf der Homepage des Projekts. Hier kann man sich auch für die Konferenz anmelden.







