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B wie Berufspolitiker und Bürger

Hans-Peter Bartels • 06. June 2011

Foto: Flickr.com CC BY-NC-SA 2.0 Leo Reynolds http://www.flickr.com/photos/lwr/
Foto: Flickr.com CC BY-NC-SA 2.0 Leo Reynolds http://www.flickr.com/photos/lwr/

Berufspolitiker

Politik ist kein Beruf wie jeder andere. Es ist für Abgeordnete, Bürgermeister oder Ministerpräsidenten ein Beruf auf Zeit, durch Wahltermine begrenzt, nur durch Wahl zu erlangen.

Jeder Bewerber sollte berufliche Alternativen haben - für den Fall, dass es nicht klappt. Und das ist meist der Fall. 2009 kandidierten 3.556 Deutsche für ein Mandat im Bundestag, 622 wurden gewählt: 204 Frauen, 418 Männer, 146 Sozialdemokraten, 8 Saarländer, 24 Schleswig-Holsteiner, 108 Unter-40-Jährige, 202 neue Abgeordnete. 100 unterschiedliche Berufe sind vertreten, vom Maurer bis zur Pianistin, am häufigsten Juristen (143), evangelische und katholische … Ganz unterschiedliche Typen. Gerhard Schröder wurde auf dem zweiten Bildungsweg Rechtsanwalt. Franz Müntefering hat Hauptschulabschluss, dann Kaufmann gelernt.

Eine Lehre für Volksvertreter gibt es nicht - nur die Universität des Lebens und training on the job. Im Durchschnitt sind Bundestagsabgeordnete übrigens nach zehn Jahren wieder draußen.

Bürger

Einer für alle: "Der Bürger" ist in Reden von Abgeordneten und Leitartikeln von politischen Journalisten eine geradezu mythische Gestalt. "Der Bürger" hält alle Macht in Händen, er ist das Volk, er ist die Bevölkerung, er sagt, wo es langgeht, er erwartet, dass "die Politik" ihm seine Wünsche - "Volkes Wille" - von den Augen abliest und erfüllt, sonst ist er enttäuscht und wendet sich ab … So heißt es.

Allerdings gibt es oft noch einen zweiten Bürger und manchmal einen dritten, insgesamt bis zu 82 Millionen, eine sehr bunte, pluralistische Gesellschaft mit unterschiedlichen Interessen, Wünschen und Maßstäben. Und da man es - in der Politik wie sonst im Leben - nicht jedem recht machen kann, kann man es auch niemals allen recht machen. Deshalb schließen Bürger sich zu konkurrierenden Gruppen, Parteien, zusammen, um für ihre Ideen zu werben. Dann hat "der Wähler" das Wort. Noch nie haben dabei in Freiheit 100 Prozent das gleiche gesagt. Gut so. Die Mehrheit genügt - bis zur nächsten Wahl.

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