"Ich bin begeistert", sagte Marianne Hastall. "So sachlich und bescheiden ist es hier, gar nicht pompös". Ein bisschen aufgeregt war die 69-jährige Mecklenburgerin, als sie am Samstag von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles durch das Willy-Brandt-Haus (WBH) geführt wurde. Mit vielen anderen, die einmal einen Blick in die Zentrale der Sozialdemokratie werfen wollten. Die SPD hatte zum ersten "Tag der offenen Tür" geladen.
Die Basis im Haus
Säle und Politiker-Büros standen offen. Ebenso hielt es der vorwärts und lud in den Hof des Paul-Singer-Singer-Hauses, gleich neben dem WBH. 7500 Gäste folgten dem Ruf nach Polizeiangaben
und feierten vom Nachmittag bis in die Abendstunden mit Musik, Speisen, Kulturprogramm und vielen Gesprächen. "Wir sind ein offenes Haus, nicht nur am Tag der offenen Tür", sagte Parteichef
Sigmar Gabriel zur Eröffnung.
Das beides gilt in der SPD, konnte man an diesem Samstag sehen und hören. Pünktlich zum Fest war der von Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug initiierte Umbau des WBH abgeschlossen: Die aus den Fernsehnachrichten bekannte gläsernen Spitze des markanten Gebäudes ist nun ein offenerer Bereich, der Besucher jederzeit willkommen heißt. Und die örtliche SPD hat dort ihr neues Bürgerbüro. "Wir haben die Basis jetzt im Haus", freute sich Sigmar Gabriel.
Nazis wegkegeln
Rund um das WBH luden Stände von Partei und aus dem Bezirk zum schauen und mitmachen ein. So durften bei den Jusos symbolisch Nazis weggekegelt werden und Polizisten erzählten neugierigen
Jugendlichen von ihrer Arbeit.
Niemand sollte sich wundern, dass Marienkäfer und Piraten umherschwirrten - das Kinderschminken kam einfach gut an. Ebenso wie Schnellzeichner Gero, der mit flinker Feder Besuchern des Paul-Singer-Hofes eine schöne Erinnerung an den geselligen Nachmittag schuf. Auch wem der Name Paul-Singer-Haus - benannt übrigens nach dem Mitgründer und ehemaligen Vorsitzender der SPD - zuvor nicht eingängig war, der konnte den Weg finden: Leuchtend rot war der Teppich, den der Verlag seinen Gästen ausgerollt hatte.
Ovationen für die vorwärts-Liederfreunde
Und schöne Töne quollen hervor, aus dem lauschigen Hof. Denn die vorwärts-Liederfreunde hatten ihren bislang größten Auftritt beim Tag der offenen Tür. Zuerst im Paul-Singer-Haus, dann im
Atrium des WBH. Zu neunt standen Männer und Frauen auf der Bühne und sangen (sozial-)demokratisches Liedgut. Sie mussten nicht lange auf Unterstützung warten: "Die Gedanken sind frei" sang so
mancher aus dem Publikum mit. Passender Abschluss: "Brüder, zur Sonne zur Freiheit". "Aufregend war´s", sagte Andrew Walde hinterher.
Das es gut geklappt hat, die Zuhörer schließlich begeisterte Ovationen spendeten, lag womöglich auch an einem besonderen Glücksbringer: Walde hatte eine Gitarre dabei, auf der Willy Brandt
schon mal gespielt hatte, bei einem Wahlkampf in den 80er Jahren.
Ebenso viel Begeisterung entfachten auch die Musiker der " Kreuzberger Musikalischen Aktion", die spielten, während die Gäste bei Brezeln, Pommes rot-weiß oder einfach einem frisch Gezapften ausruhen konnten.
Redaktions-Führungen kamen besonders gut an
Sehr gefreut hat die Redaktion das Interesse an ihrer Arbeit: Mehr als 40 Neugierige nutzen die Gelegenheit, eine Führung durch die Redaktionsräume zu machen, ließen sich erklären, wie der
vorwärts entsteht, schauten, wo so manche Idee geboren- und die ein oder andere auch wieder fallen gelassen wird. Die meisten dachten, der vorwärts sitze in der Parteizentrale und zeigten sich
begeistert von den hohen Altbauräumen des Paul-Singer-Hauses.
"Das historische Ambiente finde ich toll", sagte etwa Daniel Monazahian, der gesichtlose Großraumbüros erwartet hatte und das kreative Chaos, das auf manchem Redakteursschreibtisch
herrscht, sympathisch fand. "Ich wollte einfach mal sehen, wie hier gearbeitet wird", sagte Monazahian, der als SPD-Mitglied den vorwärts zehn Mal im Jahr erhält und ein Lob aussprach, über das
sich die Redaktion sehr freute. Anwohnerin Renate Schart ließ sogar die Lange Nacht der Wissenschaftsausen, um sich den Verlag in ihrer Nachbarschaft mal von innen ansehen zu können.
Großer Andrang bei "Almanya"
Das Beste kommt zum Schluss: Ganz so war es nicht, doch ein besonderes Highlight war er schon, der Film "Almanya - Willkommen in Deutschland", der am Abend im Paul-Singer-Hof zu sehen war. Mehr als 100 Besucher schauten ihn sich an und diskutierten mit Darstellern und Regisseur.









