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Schluss mit nett

Seyran Ates Seyran Ates • 26. May 2011

Foto: Christoph S./pixelio.de
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Die Integrationsdebatte geht wilde Wege. Deutschland ist nach mehr als 40 Jahren Zuwanderungsgeschichte aus seinem sehr tiefen Dornröschenschlaf aufgewacht. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine europäische Islamkonferenz benötigen. Schließlich kämpfen alle mit den gleichen Problemen. Das wäre ein Feld, auf dem sich die SPD profilieren könnte.

Quoten hingegen machen ohne Bewusstseinswechsel keinen Sinn. Leider sind von der SPD in den letzten Jahren keine wegweisenden Ideen zu einem besseren Miteinander der Kulturen ausgegangen. Die wenigen Amtsinhaber in der SPD, die einen so genannten Migrationshintergrund haben, gehören eher der Fraktion der Leisetreter an, die einmal mit dem Ticket Migrant gewunken und einen Posten bekommen haben, den sie nun mit aller Kraft verteidigen.

Freiheit bedroht jedes totalitäre System

Im Zentrum der Integrationsdebatte steht die Frage nach der Gleichberechtigung der Geschlechter, steht der Anspruch der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben und eine freie selbstbestimmte Sexualität. Nur Narren wundern sich, dass Osama bin Laden Pornos geschaut hat.

Freiheit bedroht jedes totalitäre System. Sexualität braucht Freiheit, Freiheit braucht Sexualität. Da ist es kein Wunder, dass immer mehr Frauen unter dem Schleier verschwinden oder den Dienst an der Religionsfront als Frontsoldatinnen antreten. Genau an dieser Stelle fallen dann die deutschen Multikulturalisten auf, die auf der einen Seite für deutsche Frauen in Führungspositionen zu Felde ziehen, aber bei den Migrantinnen gerne ganz selbstlos und tugendhaft "Toleranz!"brüllen, Toleranz anderen Kulturen gegenüber.

Der Papst muss neidisch sein

Bitter ist, dass es sich hierbei oft um Nutznießer der 68er Revolution handelt. Damals hat man ganz bewusst veraltete deutsche Traditionen in die Tonne getreten. Aber zu den Migranten will man nett sein und deren Traditionen, Kultur und Religion schützen. Armer Papst. Musst echt neidisch sein. Frauen sind eben nicht gleich Frauen. Was für die einen recht und billig ist, ist für die anderen die Schleierhaft.

Ich wäre schon froh, wenn die muslimische Gemeinschaft miteinander so umgehen würde, wie die Juden und Christen es untereinander tun. Geschwisterlich im Glauben und mit Liebe für den Nächsten. Dahin ist es leider noch ein weiter Weg. Noch werden sich wohl viele überzeugte "beste Muslime" in die Luft jagen und Unschuldige mitnehmen. Darunter sehr viele Muslime.

Seyran Ates ist Frauenrechtlerin, Juristin und Autorin. Ihr jüngstes Werk "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution" erschien im Jahr 2009 im Ullstein Verlag.

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