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Pflege im Minutentakt

25. May 2011

Foto: Thomas Horsmann
Foto: Thomas Horsmann

Ich bin gelernte Kinderpflegerin. Vor ein paar Jahren wechselte ich in den ambulanten Pflegedienst. Erst war ich unsicher, ob mir das gefällt. Doch jetzt fühle ich mich als Altenpflegehelferin wohl, zumal die Arbeit mit alten Menschen nicht so anders ist als die mit Kindern. Die Kontakte sind sehr intensiv. Viele freuen sich, wenn ich komme. Dann plaudern wir, während ich arbeite.

Unterschiedliche Patienten und Aufgaben

Ich stehe um 5 Uhr auf, mache Frühstück für meine Familie und lege die Kleider für die Kinder raus. Den Rest macht mein Mann. Denn ich muss los, damit ich um 6.30 Uhr im Büro bin. Dort schaue ich auf den Tagestourenplan, packe Schlüssel, Medikamente und was ich sonst noch brauche ein und fahre los. Pro Tag habe ich 13 bis 17 sehr unterschiedliche Klienten. Die einen leben mit Angehörigen im Einfamilienhaus, die anderen allein in einer Einzimmer-Sozialwohnung. Manche sind geistig voll da, aber gebrechlich, andere dement, aber körperlich fit. Dazwischen gibt es alles.

Genauso unterschiedlich sind dann auch meine Aufgaben. Bei manchen gebe ich nur Medikamente oder kontrolliere Puls und Blutdruck, bei anderen fallen Hauswirtschaftstätigkeiten, Körper- oder Krankenpflege an. Am intensivsten ist die Betreuung bei bettlägerigen Menschen, deren Windeln gewechselt, die gewaschen und umgezogen werden müssen.

Knappe Vorgaben

Ganz schön knapp sind die gesetzlichen Vorgaben: 25 Minuten zum Duschen, neun Minuten zum Einkaufen, zwei Minuten zur Medikamentengabe. Das geht oft gar nicht, ich will ja mit den Menschen auch reden, ihnen mal die Hand streicheln und ihnen das Gefühl vermitteln, dass ich für sie da bin. Dafür bekomme ich dann auch ein Lächeln oder einfach nur einen leuchtenden Blick so voller Freude, das kann man nur schwer beschreiben. Natürlich freut sich nicht jeder, wenn ich komme. Ich betreue ja Menschen und die fühlen sich manchmal bevormundet. Aber eine negative Rückmeldung darf man nicht persönlich nehmen. Ganz hart ist es, wenn ein Klient stirbt. Das stecke ich nicht so einfach weg.

So gegen 14.30 Uhr bin ich zurück im Büro. Ich fülle die Pflegeberichte aus und mache die Übergabe. Um 15 Uhr fahre ich nach Hause.

Aufgezeichnet von Thomas Horsmann

Altenpflegehelferin Oxana Wollstein 28 Jahre, lebt im bayerischen Unterschleißheim Ausbildung: zwei Jahre zur Kinderpflegerin Status: angestellt als Altenpflegehelferin Gehalt: nach Tarif ca. 1650 Euro brutto plus ca. 100 Euro Zulagen Arbeitszeit: 38,5 Stunden nach Haustarif

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