Im Gesundheitswesen gibt es viel Geld zu verdienen. Das Erschwindeln von Doktortiteln überlasse ich dabei gerne anderen. Ich werde Berater. Wo wir doch in Berlin gerade wieder einen neuen Gesundheitsminister haben. Der hat wahrscheinlich keine Ahnung vom Thema. Diesem Defizit steht oft der Drang entgegen, Spuren zu hinterlassen. Auch wenn das Spuren der Verwüstung sind.
Der Mann braucht Hilfe, die wird er schnell bekommen von der Anbieterseite. Ärzteverbände, Pharmalobbyisten und Apothekenverbände wissen immer schnell und effizient, was für uns gut ist, also die Versicherten. Das sieht manch professioneller Autoschrauber ähnlich. Nur, wenn er uns bei seinen Dienstleistungen ausnimmt, kriegt er keinen liberalen Applaus, sondern einen bösen Brief von der Verbraucherberatung.
Alles regelt der Markt, so sieht das die FDP, nur nicht das Gesundheitswesen, so sieht das ebenfalls die FDP. Zumindest dann, wenn es um die Apotheker geht, verantwortungsvolle Profis, deren Kindheitswunsch es schon war, Menschen qualifiziert zu beraten. Ich habe sie meistens als bekittelte Menschen erlebt, Schublade auf, Pille raus, Schublade zu, 12 Euro 80. Seitdem ich weiß, dass sie zur Beratung angehalten sind, frage ich gerne detailliert nach, warum ich die rezeptfreie Hustenpastille eine halbe Stunde vor der Mahlzeit einnehmen soll. Woraufhin der Mensch im Kittel erst stutzt, dann stammelt und schließlich den Beipackzettel aus der Packung friemelt.
Außer Spaß bringt mir das nichts. Aber ich greife an, als Berater. Gleich morgen klappere ich die Niederlassungen der Krankenversicherungen ab. Dort beantrage ich die Mitgliedschaft für ein ganzes Pflegeheim voll multimorbider Senioren. Und frage dann, wie es mit einer kleinen Werbeprämie sei. Bei der Lokalzeitung bekäme ich für einen neuen Abonnenten doch auch eine Bohrmaschine. Der Mitarbeiter wird mich verstehen.
Er wird an eine kleine Betriebskrankenkasse denken, die von solchen Menschen, Fachausdruck: schlechte Risiken, in den Ruin getrieben wurde. Er wird verzweifelt nach irgendwelchen Badelatschen mit Werbeaufdruck suchen, bloß um mich und meine gefährlichen Senioren abzuwimmeln. Ich werde ihn grinsend darauf hinweisen, dass wir hier nicht nur über ein Neumitglied reden. Ich bin jetzt auch auf der Anbieterseite. Die hat in der Logik des Gesundheitswesens bisher noch immer gewonnen.
Martin Kaysh ist Kabarettist, Alternativkarnevalist ("Geierabend") und Blogger. Er lebt
im Ruhrgebiet, freiwillig.







