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Icon   Stimmungsbild aus einem verstörten Frankreich

Sexaffäre sorgt für Sittengemälde mit DSK

23. May 2011

Aid for Trade 2009, © WTO Photo: Jay Louvion, Studio Casagrande /flickr.com/creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de
Aid for Trade 2009, © WTO Photo: Jay Louvion, Studio Casagrande /flickr.com/creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de

Eine kleine Pause in der Gefühlswelt der Landsleute: DSK durfte gegen eine Kaution von ein Mill. Dollar die berüchtigte Haftanstalt Rikers Island verlassen, musste fünf Mill. Dollar Garantie hinterlegen und wartet jetzt in einem teuren Apartment in New Yorks Manhattan auf den nächsten Gerichtstermin am 6. Juni; in Fußfesseln, Tag und Nacht elektronisch überwacht und ein Sicherheitsbeamter in unmittelbarer Nähe, der seinen Lebensrhythmus mitbestimmt.

Moral der Linken angeschlagen


Kein Bistro, kein Büro, kein Lokal in Frankreich, wo nicht kontrovers über den berühmten Franzosen, der ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel zwecks Vergewaltigung bedrängt haben soll, diskutiert wird. Das Regierungslager hat Präsident Nicolas Sarkozy aufgefordert, sich allenfalls neutral zu äußern. Was den Staatschef laut Enthüllungsblatt "Le Canard Enchainé" dennoch zum Hinweis drängt, nun sei es mit der Moral bei den oppositionellen Sozialisten dahin. Das Sarkozy nahestehende Magazin des "Figaro" spricht auf seinem Titel sogar schon von "la honte", von der Schande. So freuen sich die Konservativen in den Kulissen, dass DSK als Rivale in der Präsidentschaftswahl in einem Jahr ausfällt. Besser hätte es für Sarko nicht kommen können.

Nacktes Entsetzen dagegen in der Opposition. Erste Reaktionen waren nicht gerade von nüchterner Betrachtungsweise geprägt. Eine Falle ihres Gegners! Ein Komplott des Elyséepalastes, protestierten Abgeordnete. In einer Blitzumfrage meinten 57 Prozent, das sei eine Verschwörung, um einen potentiell gefährlichen Konkurrent von Sarkozy zu Fall zu bringen. Lesenswert waren dagegen kritische Kommentare über die US-Justiz in Pariser Zeitungen: Dieses Vorführen von DSK in der Öffentlichkeit, die Konfrontation mit der massiven Anklage der Staatsanwaltschaft, die Unterbringung im Sträflingslager von Rikers Island - viele Franzosen blickten verständnislos auf das knallharte Verfahren.

Der Politik dient der Sexskandal nicht. Der Mann auf der Straße stellt schnell einen Zusammenhang zwischen den Superreichen und ihren unbekümmerten Umgang mit Untergebenen und anderen Menschen her. DSK sei kein "sexueller Kostverächter" gewesen, liest man. Sogenannte Opfer "seiner chronischen Anmache" melden sich. Unappetitliche Geschichten werden vom Sexkunden Strauss-Kahn aus der Halbwelt der Dirnen in New York berichtet. Dass in diesem Zusammenhang die Leitung des Internationalen Währungsfonds (IWF), den DSK seit 2007 als Generaldirektor lenkte, ihn zum Rücktritt auffordert, findet die Billigung nicht nur der Franzosen.

70 000 Frauen im letzten Jahr vergewaltigt

Doch in der heißen Debatte melden sich auch kühle Köpfe, die ihre Landsleute daran erinnern, dass es ein Opfer gebe: das 32 Jahre alte Zimmermädchen in jenem Hotel, in dem DSK wohnte. In Frankreich wurden voriges Jahr etwa 70.000 Frauen vergewaltigt oder hatten einen Sexangriff abwehren können, sagt eine Statistik. Auch dieser Fakt müsse bei der Betrachtung des Skandals berücksichtigt werden. Der Name der jungen Frau, die streng bewacht wird, ist (noch) nicht bekannt.

Sie wird wie ihr mutmaßlicher Peiniger eine der Zentralfiguren des Gerichtsverfahrens in den USA sein. Womöglich in einem Jahrhundertprozeß. Der Mann, der Nicolas Sarkozy hätte schlagen können, riskiert über 20 Jahre Haft. Da er sehr reich ist, könnte die Sexaffäre außergerichtlich geregelt werden. Das Stimmungsbild prägt auch zwei verblüffende Tatsachen: Hier der politische Tod des chancenreichsten Herausforderers des Präsidenten, dort der 56-jährige Machtmensch im Elysée, der im Oktober Vaterfreuden entgegenblickt.

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