Ob es um soziale Netzwerke oder die Ortung von Mobiltelefonen geht - die Gefahren und Chancen der neuen Medien beschäftigen die Gesellschaft. Die Folgen der digitalen Revolution haben unseren Alltag verändert, aber was bedeutet das für Heranwachsende? "Kinderzimmer müssen frei von Bildschirmen sein", fordert Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, in einer Gesprächsrunde der Veranstaltung "Wissen und Bildung im Internetzeitalter". Sämtliche Studien belegten den großen Schaden der extensiven frühkindlichen Mediennutzung. Erlebt werde nicht mehr die Wirklichkeit, sondern ein schwaches Abbild.
Bewusstsein statt Klagen
Früher habe es dazu gehört, zusammen mit den Eltern in die Zeitung zu schauen, sagt ein Schüler. "Heute lesen sie die Nachrichten im Internet." Doch Veränderungen dieser Art seien an sich nicht beklagenswert, sind sich die Teilnehmer einig. Es handele sich um eine Herausforderung unserer Zeit. Entscheidend sei ein Bewusstsein für die Auswirkungen der Mediennutzung und ihre Thematisierung in Elternhaus und Schule. Um überhaupt einen Blog zu verstehen, so eine Lehrerin, müssten Heranwachsende über eine "Lese- und Urteilsfähigkeit" verfügen. Deren Grundlagen erwerbe man nicht im Internet.
Viel Applaus erhält deshalb auch Pfeiffer, als er Investitionen in Bildung "in Größenordnung der Bankenrettung" verlangt. Sein Mitdiskutant Oliver Kaczmarek, Abgeordneter der SPD im Bundestag, betont ebenfalls die Notwendigkeit politischer Rahmensetzungen, auch wenn diese durch den deutschen Bildungsföderalismus erschwert würden. Noch immer gibt es fast nirgends ein verpflichtendes Schulfach "Medienkompetenz".
Die Medien als Werkzeug
Unterdessen wissen Schüler und Studenten längst, wie sie im Internet etwa gezielt nach Themen oder Zitaten suchen. "Wer will denn immer gleich ein ganzes Buch lesen?", fragt ein Mädchen. Gleichzeitig sind Gewalt-Computerspiele eine Gefahr desselben Mediums, das für die unterschiedlichsten Nutzungen offen ist. Die Verantwortung ist daher eine gemeinsame, das wurde auf der Veranstaltung deutlich. Das beste Mittel dagegen, dass Kinder in virtuelle Welten flüchten, ist für Pfeiffer, die "Lust auf Leben zu wecken". Kerstin Mayrberger, Juniorprofessorin für Medienpädagogik in Mainz, fügt hinzu: "Aber mit den Medien!"







