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„Die bürokratischen Zustände lasten schwer“

Susanne Dohrn • 21. May 2011

Mehr Zeit für Patienten. Rita Gäbel/pixelio.de
Mehr Zeit für Patienten. Rita Gäbel /pixelio.de

vorwärts: Warum sind Sie Krankenpflegerin geworden?
Als junger Mensch wollte ich in einem Beruf mit sozialem Charakter tätig werden. Dabei war es mir wichtig, anderen Menschen zu begegnen, wenn notwendig Hilfe zu leisten und in Lebenskrisen beizustehen. Bewusst habe ich mich gegen die Arbeit im Büro entschieden. Damit war festgelegt, dass zum Arbeitsalltag der Schichtdienst und die Einsatzbereitschaft zur Arbeit auch an Sonn- und Feiertagen inklusive der Nachtdienste gehören. In den "Familienzeiten" hatte das den Vorteil, durch die Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung dann arbeiten zu können, wenn die Kinder einen am wenigsten brauchten.

Wie lange arbeiten Sie schon in dem Beruf?
Begonnen habe ich meinen beruflichen Werdegang in einer Pflegevorschule. Von dort konnte ich nahtlos die Ausbildung zur Krankenschwester beginnen. Mit dem 21. Lebensjahr hatte ich mein Examen bestanden. Seitdem arbeite ich nun schon 28 Jahre in meinem Beruf.

Können Sie sich vorstellen, ihn bis 65 respektive 67 durchzuhalten?
An meiner eigenen Gesundheit gemessen kann ich es nicht vorhersagen. Die körperliche Belastung auf einer Station mit 38 Betten und immer älteren (multimorbiden) Patienten ist sehr hoch. Heute weiß ich genau, wann meinem Rücken zu liebe noch eine Mitarbeiterin dazu kommen sollte, wenn Patienten z.B. mobilisiert werden. Im Laufe der Jahre ist durch die Dokumentationsdichte außerdem die psychische und mentale Belastung gestiegen.

Erfüllt der Beruf (noch) Ihre Erwartungen?
Ja, immer dann, wenn wir von unseren Patienten und den Angehörigen positive Rückmeldungen bekommen. Allerdings bleibt kaum Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Die bürokratischen Zustände lasten schwer, denn eigentlich wollte ich das für mein Berufsleben so nicht haben.

Hat er sich in den vergangenen Jahren verändert?
Die "Bürotätigkeiten" haben die Pflegeberufe längst eingeholt. Aus den unterschiedlichsten Gründen müssen alle Arbeiten, Interventionen und Vorkommnisse während der Behandlung des Patienten dokumentiert werden. Hinzu kommen Maßnahmen und Vorschriften aus den Bereichen der Prävention, der Hygiene, der Pflegeversicherung, der Rehabilitation, des Medizinproduktegesetzes, dem Qualitätsmanagement, dem Arbeitszeitgesetz, der Berufsgenossenschaft, die eigene Fort- und Weiterbildung usw.

Durch die dank des medizinischen Fortschritts gesunkenen Verweildauern der Patienten ist eine straffere Organisation der Abläufe notwendig geworden. Zusätzlich können viele Leistungen, die früher stationär erbracht wurden, nur noch ambulant abgerechnet werden. Bei einer ambulanten Behandlung von zwei bis sechs Stunden werden dann die Leistungen erbracht, die vor Jahren noch einige Tage dauern konnten. Für die Mitarbeiter bedeutet das eine straffere Organisation, für den Patienten ein zeitlich optimal geplanter Ablauf, bei dem bestmöglich keine Komplikationen auftreten (z.B. Kreislaufprobleme nach einer OP). Hier zeigt sich aber immer wieder, dass der Mensch eben Mensch ist und manche Dinge nicht planbar sind.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten: Was müsste sich ändern?
1. Mehr Zeit und Zuwendung für den Patienten!!!
2. Weniger Bürokratie und neue Gesetze!!

3. Eine leistungsgerechte Vergütung für Mitarbeiter und Krankenhäuser!

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