Seine allgegenwärtigen Slogans von "Hope" und "Change" für die gebeutelte Nation machten ihn zum Star der Medien und lösten wahre Fananstürme aus. Auch der Wirtschaft blieb dieses werbewirksame Potenzial nicht verborgen und so wollten bald auch Unternehmen wie Pepsi und Co. die Nation erfrischen wie der ehemalige Senator aus Illinois. Sogar das Nobelkomitee in Norwegen hatte sich von der Euphorie anstecken lassen und dem aussichtsreichen Weltretter in spe den Friedensnobelpreis verliehen.
Nicht Messias, sondern Pragmatiker
Entgegen der Hoffnung vieler Amerikaner löste allerdings die Wahl Obamas nicht umgehend die Finanzkrise, und auch die Arbeitslosenzahl stieg weiter auf fast 10 Prozent. Eingeholt von der
Realität des politischen Alltags, die doch viel zu wenig gemein hatte mit dem glamourös-poppigen Wahlkampf, sahen frustrierte Gemüter ihren Traum der geretteten Nation zerplatzen. Obamas
Umfragewerte sanken derweil bis zur 40 Prozent-Marke. Erst im Jahr 2011 und nur in Folge gelungener Auftritte nach dem Attentat von Arizona und der Tornado-Katastrophe von Alabama konnte er die
Enttäuschung seiner Anhänger bremsen. Die jubelnden Massen begannen zu verstehen, dass Obama im Endeffekt nicht Messias, sondern Pragmatiker ist.
Doch trotz einer enormen Ernüchterung gelingt es Obama weiterhin, das Präsidentschaftsamt mit einer Wandelbarkeit und einem Charisma zu füllen, das selbst der legendäre John F. Kennedy nicht zu versprühen vermochte. Mit seinem lockeren Umgangston erinnerte Obama während des Korrespondenten Dinners im Weißen Haus in der letzten Woche eher an einen Stand-Up Comedian denn an einen Staatsmann.
König der Löwen
Als Klamauk zur Debatte um seine Geburtsurkunde zeigt Obama sein offizielles Geburtsvideo - eine Szene aus dem Disney Film "Der König der Löwen", in der Mufasa die Geburt seines Sohnes
Simba zelebriert. Mit viel Humor nahm er damit die konservativen Medien und allen voran den anwesenden Donald Trump auf den Arm. "The Donald" hatte nach Verkündung einer möglichen eigenen
Präsidentschaftskandidatur an vorderster Front der so genannten "Birther-Bewegung" geblökt, dass Obama kein US-Staatsbürger und demnach unrechtmäßig Präsident sei.
Die Art und Weise, wie Obama sowohl auf gerechtfertigte als auch auf unsachliche Kritik reagiert, macht ihn zu dem außergewöhnlichen Staatsmann, der er versprochen hat zu sein. Auch ein Barack Obama kann nicht Wirtschaft und Ansehen der Weltmacht im Alleingang reparieren. Dennoch verdanken die USA dem Phänomen Obama ein internationales Comeback. In vielen Ländern erscheint der Siegeszug des Pop-Präsidenten befremdlich. Doch die Amerikaner erwarten genau diesen Mix aus "establishment" und "street credibility" von ihrem Präsidenten. Die Glaubwürdigkeit, die sich Obama trotz aller Rückschläge während seiner Amtszeit erarbeitet hat, wird ihn für die kommende Wahl rüsten. Auch wenn die Rhetorik nüchterner, der Auftritt bescheidener sein wird als noch vor drei Jahren, wird Obama seine Wähler und die Welt erneut begeistern: als cooler Politiker mit Köpfchen, der polarisiert und doch zu vereinen vermag.







