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Transparenz jetzt!

Franz Viohl • 16. May 2011

Woher die als Schnäppchen angepriesenen Waren kommen, bleibt meist unklar. Foto: Franz Viohl
Woher die als Schnäppchen angepriesenen Waren kommen, bleibt meist unklar. Foto: Franz Viohl

Wie kann ein T-Shirt 4,99 Euro kosten? Und dazu noch "besonders nachhaltig" hergestellt sein? Das könnten sich die Menschen gefragt haben, als sie im Frühjahr 2010 eine Werbung der Supermarktkette Lidl sahen, in der von sozial verantwortlichem Verhalten die Rede war. Diese Zweifel waren berechtigt: Kläger konnten nachweisen, dass Lidl Waren in Bangladesh zu Hungerlöhnen produzieren ließ, woraufhin der Discounter seine Werbung zurückzog.

Woher kommt das eigentlich?

Solche und ähnliche Fälle geben das Stichwort für die Transparenzkampagne der Initiativen "Supermarktmacht" und "Corporate Accountabilty" (CorA).Das Bündnis von Nichtregierungsorganisationen fordert eine Offenlegungspflicht sozialer und ökologischer Unternehmenspraktiken. Denn im Gegensatz zu den Bilanzzahlen veröffentlichen die meisten Konzerne keine Angaben zur genauen Herkunft ihrer Produkte. Wenn sie das tun, so heißt es in einem Positionspapier der Transparenzkampagne, dann "dienen ihre Nachhaltigkeitsberichte eher der Imagepflege als einer ehrlichen und offenen Rechenschaftslegung."

Zwar gibt es internationale Vereinbarungen wie die OECD-Leitsätze für multinationale Konzerne und entsprechende EU-Richtlinien, in denen der Schutz von Arbeitsbedingungen, Umwelt und Menschenrechten eingefordert wird, doch sind diese lediglich für die Regierungen verbindlich - nicht für die Unternehmen. Auch die Bundestagsfraktion der SPD spricht sich in einem Antrag für "faire Lebensmittelpreise und transparente Produktionsbedingungen" aus und fordert weitgehende Berichtspflichten sowie die Einrichtung einer "unabhängigen Ombudsstelle", die Beschwerden etwa zu unfairen Einkaufspraktiken nachgehen soll. Aber der Weg zu einer gesetzlich festgeschriebenen Offenlegungspflicht wird gerade erst beschritten.

Selbstverpflichtung reicht nicht

Die Selbstverpflichtung der Unternehmen habe sich ebenso als unzureichend erwiesen wie die gültige deutsche Rechtslage, betont Volkmar Lübke, Koordinator des CorA-Netzwerks. "Andere europäische Länder wie etwa Frankreich, Dänemark oder Schweden haben bereits deutlich weitgehendere Publizitätspflichten für Unternehmen eingeführt", so Lübke in der Auftaktveranstaltung der Transparenzkampagne im April in Berlin.

Lässt sich durch eine Offenlegungspflicht das Lohndumping im deutschen Einzelhandel oder gar der gesundheitsschädigende Einsatz von Pestiziden in den Erzeugerländern verhindern? Zumindest eine wesentliche Funktion hätte die vollständige Transparenz : sie würde es Investoren, Verbrauchern und der Politik ermöglichen, sich zu informieren sowie sozial und ökologisch verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Nachhaltigkeit wäre dann mehr als ein Werbebegriff.

Weitere Informationen können unter www.supermarktmacht.de und unter www.cora-netz.de abgerufen werden.

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