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Nach der Revolution

Kai Doering • 11. May 2011

Diskussion in der "Kalkscheune" in Berlin: "Im Nahen Osten hat sich viel aufgestaut." Foto: Kai Doering
Diskussion in der "Kalkscheune" in Berlin: "Im Nahen Osten hat sich viel aufgestaut." Foto: Kai Doering

Amine Sami Ben Sassi hat nicht viel geschlafen in den vergangenen Monaten. Statt ins Bett zu gehen, hat sich der Gynäkologe im Internet herumgetrieben. Bei Youtube hat er Videos von Demonstrationen hochgeladen und per Facebook und Twitter über die neuesten Entwicklungen in seinem Heimatland Tunesien informiert. Es ist eine sehr aufregende Zeit in Nordafrika.

"Mein Leben hat sich total geändert", erzählt Ben Sassi. Bis zum 17. Dezember habe sich der Arzt nicht sonderlich für Politik interessiert. Doch dann verbrannte sich der 26-jährige arbeitslose Akademiker Mohamed Bouaziz, um gegen die Beschlagnahmung seines Gemüsestands zu protestieren. Sein Tod löste landesweite Proteste aus, die schließlich zum Sturz des langjährigen Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali führten.

Zur Demokratie fähig

Danach begannen Demonstrationen in Ägypten, im Jemen, in Syrien. Ägyptens Präsident Husni Mubarak trat zurück, in Libyen tobt seit Wochen ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Anhängern von Staatschef Muammar Al Gaddafi und Aufständischen im Osten des Landes. Erleben der Nahe Osten und Nordafrika eine "Despotendämmerung"?

"Im Nahen Osten hat sich vieles aufgestaut", sagt der jemenitische Politikwissenschaftler Ahmed Saif. Dies habe sich nun entladen. "In diesem Frühjahr haben wir bewiesen, dass Nordafrika und der Nahe Osten keine Ausnahmen und zur Demokratie fähig sind." Auf die Revolution müssten nun aber Reformen folgen: "Wenn es weiter eine so große Armut gibt, hat die Demokratie keine Chance."

Ein Plan für Nordafrika

"Wir müssen uns darum kümmern, dass die Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten eine Perspektive im eigenen Land haben", ist auch SPD-Chef Sigmar Gabriel überzeugt. Sein Vorschlag: Die Europäische Union soll für drei Jahre mehrere Hunderttausend Jugendliche aus der Region aufnehmen. Sie sollen in Europa arbeiten und weiter ausgebildet werden - und danach in ihre Heimat zurückkehren. "Wir dürfen jetzt nicht die Flüchtlinge auf Lampedusa hängen lassen."

Bei Ziyad El-Alimi rennt Gabriel mit seinem Vorschlag offene Türen ein. "Wir wollen ein Teil der Weltgesellschaft sein", sagt der Mitbegründer der neuen Demokratisch Sozialen Partei Ägyptens. "Dafür erwarten wir die Unterstützung Europas." Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf stehe die ganze Region noch ganz am Anfang. Amine Ben Sassi, der tunesische Internetaktivist, drückt es so aus: "Wir beginnen erst langsam zu verstehen, dass Demokratie kein Status ist, sondern ein Prozess."

Ein Interview mit drei der Aktivisten finden Sie auf spd.de.

Einen Video-Mitschnitt der gesamten Veranstaltung gibt es bei Youtube.

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