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„Ich kann alles außer Schwäbisch“

Kai Doering • 04. May 2011

"Ich werde nicht Türkenministerin." Bilkay Öney Foto: bilkay-oenay.de
"Ich werde nicht Türkenministerin." Bilkay Öney Foto: bilkay-oenay.de

vorwärts.de: Ihre Berufung zur Integrationsministerin von Baden-Württemberg kam für viele überraschend. Wie ist es dazu gekommen?

Bilkay Öney: Für mich war es genauso überraschend. Nils Schmid hat mich am vergangenen Freitag angerufen als ich gerade von einer Konferenz aus der Türkei zurückkam. Er hat mich dann nach Stuttgart eingeladen, um über das Ministeramt zu sprechen. Anscheinend hat die SPD in Baden-Württemberg parteiweit nach einer geeigneten Kandidatin gesucht, diese aber nicht im Land gefunden.

Was werden Ihre ersten Aufgaben als Integrationsministerin sein?

Zuerst werde ich eine Bestandsaufnahme machen, was bisher bereits in der Integrationspolitik in Baden-Württemberg passiert ist. In der derzeitigen Regierung ist der Justizminister auch Integrationsbeauftragter. Wir fangen also nicht ganz von vorne an. Die Migranten in Baden-Württemberg sind in der komfortablen Situation, dass es dort nicht eine solch hohe Arbeitslosigkeit gibt wie in Berlin. Da sich Integration meistens am Arbeitsplatz vollzieht, ist das eine gute Voraussetzung.

Sie werden die erste Ministerin Deutschlands sein, die in der Türkei geboren wurde. Ist das für die neue Aufgabe ein Vorteil?

Aus meiner Sicht nicht. Das ist mehr ein Thema für die Medien. Für mich spielt mein türkischer Hintergrund für diese Aufgabe keine Rolle. Ich werde nicht Türkenministerin, sondern habe den Anspruch, für alle mitzudenken - auch für die Mehrheitsgesellschaft. Ansonsten macht Politik im Allgemeinen und Integrationspolitik im Besonderen keinen Sinn.

Bis 2009 waren Sie Mitglied der Grünen, kennen die Partei also recht gut. Hilft das in einer grün-roten Landesregierung?

Es ist sicher kein Nachteil, einige grüne Politiker zu kennen. Als ich 2009 die Partei verlassen habe, habe ich ja meine Gesinnung nicht komplett aufgegeben. Die rot-grüne Bundesregierung hat in der Integrationspolitik viel bewegt - von Staatsangehörigkeitsrecht bis zum Zuwanderungsgesetz. Die Wünsche und Ziele der beiden Parteien sind in diesem Bereich beinahe identisch.

Integration hat auch immer mit Sprache zu tun. Sprechen Sie Schwäbisch?

In Baden-Württemberg heißt es ja: "Wir können alles außer Hochdeutsch." Bei mir ist es andersherum. Ich kann alles außer Schwäbisch. Vielleicht können wir uns da gut ergänzen.

Interview: Kai Doering

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