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Sarrazin und nun?

Uwe-Karsten Heye • 26. April 2011

Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Buches in der Bundespressekonferenz in Berlin am 30. August. Foto: Mathias Ostertag Th
Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Buches in Berlin im August 2010. Foto: Mathias Ostertag

Obwohl mutmaßlich nicht jeder seiner Fans in der Partei sich auch die Zeit genommen hat, sein Buch zu lesen, war doch die überwiegende Meinung unter Sozialdemokraten, dass man das doch wohl mal sagen können muss, was der Sarrazin zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat.

Und nun wissen wir, dass er es gar nicht so gemeint hat. Und beleidigen wollte er auch niemanden, schon gar nicht Menschen mit muslimischem Hintergrund. Warum hat der dann überhaupt zur Feder gegriffen? 1.2 Millionen Exemplare gingen über die Büchertische und nun sind einige Leser mehr mit dem Halbwissen gefüttert, das Sarrazin da verzapft hat. Nein, Deutschland schafft sich nicht ab und die SPD schafft ihren Sarrazin nicht ab. Das ist alles ziemlich heuchlerisch und hat nichts wirklich geklärt.

Was Sarrazin und seinen leidenschaftlichen Befürwortern nicht nahe zu bringen ist, das ist der schlichte Tatbestand, dass wir auf Einwanderung angewiesen sind, wenn wir den Wohlstand halbwegs sichern wollen, den dieses Land als Exportweltmeister aufgehäuft hat. Ohne Einwanderung werden wir weniger erarbeiten und weniger verkaufen. Was das wohl für die Sozialsysteme bedeuten würde?

Der demografische Wandel tut auch das seine. Wir werden nämlich immer weniger, dafür aber immer älter. Die Reproduktionsrate (Geburtenrate) liegt im Argen. Und nun verlassen uns auch noch immer mehr der hier gut ausgebildete Fachleute mit Migrationshintergrund, weil sie von den Sarrazin-Apologeten und ihren Verwandten am rechten Rand der Gesellschaft nicht gern oder überhaupt nicht gelitten sind.

Nicht einmal ausreichend finanzierte Deutschkurse bringen wir auf die Reihe. So etwas nennt man ausländerfeindlich. Oder die Unfähigkeit, Vielfalt, auch Vielfalt der Lebensformen, zu ertragen oder gar als Bereicherung zu empfinden. Das Boot ist nicht voll, im Gegenteil es wird immer leerer, dafür aber auch immer älter.

Die Entscheidung in Sachen Sarrazin ist gefallen. Welchen Anteil dabei Rücksichtnahme auf die Genossen hatte, die das dicke Brett vor dem Kopf haben und Sarrazins Parolen folgen, kann und will ich nicht beurteilen. Aber jetzt sollte die deutsche Sozialdemokratie als ehemals weltoffene und hoffentlich noch immer internationalistische Bewegung endlich eine Einwanderungspolitik formulieren, die nicht der schwarz-gelben Illusion folgt, um die besten Fachleute weltweit zu konkurrieren. Das ist schon bei den Indern misslungen. Ausbilden müssen wir schon selber und Fremdheit ertragen lernen, das müssen wir auch.

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