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Das Hundert-Prozent-Ziel

Susanne Dohrn • 21. April 2011

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Es gibt in Deutschland 17 Atomkraftwerke (AKW). Ihr Anteil an der Stromerzeugung beträgt 23 Prozent. Sieben AKW sind bis zum 15. Juni wegen des Atom-Moratoriums abgeschaltet. Sie sollen in dieser Zeit auf ihre Sicherheit überprüft werden. Drei waren schon vor dem Moratorium vom Netz: Brunsbüttel, Biblis B und Krümmel.

Wie schnell können wir aus der Atomkraft aussteigen? Der von Rot-Grün beschlossene Ausstieg 2022 gilt bei Experten als unproblematisch. Das Ökoinstitut Darmstadt hält sogar einen Ausstieg zwischen 2015 und 2020 für möglich.

Wird Strom teurer? Möglicherweise. Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE Jürgen Grossmann rechnet mit einem Preisanstieg von 20 Prozent, wenn es nicht bei der Verlängerung der Laufzeiten bleibt. Manuel Frondel vom wirtschaftsnahen Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen prognostiziert, der Strom werde dann etwa zehn Prozent teurer. Das Ökoinstitut Darmstadt hingegen geht davon aus, dass die Preissteigerungen "in der Bandbreite der Preisschwankungen der letzten Monate und Jahre liegen werden".

Wird Deutschland genug Strom produzieren? Ja. Derzeit befinden sich zahlreiche Kraftwerke im Bau, die ab 2013 ans Netz gehen. Sie sorgen dafür, dass zusätzlicher Strom produziert wird, obwohl einige alte fossile Kraftwerke vom Netz gehen. Dietmar Schütz vom Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) sagt voraus: "Bis 2020 haben die Erneuerbaren nach unseren Prognosen bereits einen Anteil von 47 Prozent am Stromverbrauch. Damit können wir wegfallenden Atomstrom mehr als kompensieren."

100 Prozent Strom aus Erneuerbaren bis 2050, geht das? Ja. "Eine vollständig auf Erneuerbaren Energien beruhende Stromerzeugung im Jahr 2050 ist in Deutschland als hoch entwickeltem Industrieland mit heutigem Lebensstil, Konsum- und Verhaltensmuster technisch möglich", schreibt das Umweltbundesamt (UBA) in seiner Studie "2050: 100 Prozent Erneuerbarer Strom". Zum gleichen Ergebnis kommt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) nach einer Analyse des Potenzials der regenerativen Energiequellen zur Stromerzeugung in Europa und Nordafrika: "Eine ausschließlich auf regenerativen Energiequellen basierende Stromversorgung bis 2050 ist unter Beachtung strenger Anforderungen des Naturschutzes und bei Vermeidung von anderen Nutzungskonflikten möglich."

Was kostet der Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbaren Strom? Das ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. "Wir wissen heute noch nicht, mit welchen Technologien und mit welchem Infrastruktur- und Speicheraufwand wir das Energiesystem der Zukunft realisieren werden", sagt Stefan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena). Der SRU betont in seinem Gutachten: "Langfristig werden die Erneuerbaren Energien in jedem Fall kostengünstiger sein." Der BEE weist darauf hin, auch ohne den Ausbau von Erneuerbaren würden erhebliche Ersatzinvestitionen bei fossilen Kraftwerken und den Netzen notwendig sein. Dietmar Schütz: "Wir sparen jedes Jahr Milliarden ein, weil wir immer weniger Kohle und Gas importieren müssen. Die Erneuerbaren verursachen zudem anders als andere Energieträger keine Klimafolgekosten und auch keine Entsorgungskosten für radioaktiven Müll."

Was ist für den Umstieg notwendig? Wichtig sind Energiesparen, sowie der Ausbau von Energiespeichern und neuer Netze. Immer mehr große Abnehmer werden künftig in Spitzenzeiten des Stromverbrauchs kurzzeitig vom Netz gehen. Das gilt zum Beispiel für Kühlhäuser, ohne dass deren Kühlleistung sinkt. Die Effizienz von Windanlagen wird steigen, weil alte Anlagen durch neue, höhere ersetzt werden, so Dietmar Schütz vom BEE. Damit lasse sich die Zahl der Anlagen halbieren und die Leistung verdreifachen.

Wie viele neue Höchstspannungsleitungen brauchen wir? Die Zahlen variieren. "Wir brauchen rund 4500 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen", sagt Stephan Kohler von der dena. Der Netzbetreiber 50Hertz Transmission stimmt der Analyse zu, fügt aber hinzu: "Dieser Ausbaubedarf könnte sich um rund die Hälfte reduzieren, wenn im Bereich der Stromspeicherung und bei neuen Übertragungstechniken Fortschritte gemacht werden." Der BEE hält 1000 Kilometer für realistischer, weil Erneuerbare Energien, wie z.B. Biogasanlagen eher dezentral seien. Derzeit gibt es 36 000 Kilometer Höchstspannungsleitungen in Deutschland.

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