Die meisten Stromkunden kennen den Namen nicht, obwohl er mit seinem Höchstspannungsnetz von knapp 10 000 Kilometern den Strom zu ihnen bringt. 50Hertz Transmission deckt damit immerhin 30 Prozent der Fläche Deutschlands ab. Vor allem in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hamburg ist 50Hertz aktiv. Dort stehen auch die meisten Windkraftanlagen. 42 Prozent der in Deutschland installierten Windkraftkapazität befindet sich im Netzgebiet von 50Hertz. Das Unternehmen wurde 2002 als Vattenfall Europe Transmission gegründet und 2010 an den belgischen Netzbetreiber Elia und den australischen Infrastrukturfonds. Industry Funds Management (IFM) verkauft.
Das Höchstspannungsnetz verteilt den von Kraftwerken und Windkraftanlagen erzeugten Strom landesweit dorthin, wo er verbraucht wird. Das ist nicht immer einfach. Denn Schwankungen verträgt das Stromnetz nicht, aber der Wind weht unterschiedlich stark. Volker Kamm, Sprecher von 50Hertz: "Unsere Experten auf der Warte stehen vor der immer anspruchsvoller werdenden Aufgabe, das System stabil zu halten, obgleich dieses immer stärker an seinen Grenzen betrieben wird." Manchmal weht sogar zuviel Wind. 2010 gab es an sechs Tagen die Notwendigkeit, die Leistung erneuerbarer Anlagen abzuschalten bzw. zurückzufahren, um das um das Stromnetz stabil zu halten und damit die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, so Volker Kamm.
Viel Wind im Netz
Normalerweise haben Erneuerbare Energien Vorfahrt im Netz. Doch nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sind Netzbetreiber verpflichtet " sämtliche Stromeinspeisungen, Stromtransite und Stromabnahmen in ihren Regelzonen den Erfordernissen eines sicheren und zuverlässigen Betriebs des Übertragungsnetzes anzupassen". Das kann im Einzelfall heißen, dass die Erneuerbaren zurückgefahren werden. Die Maßnahmen dürfen, so Kamm, aber erst dann in Angriff genommen werden, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft und die konventionellen Stromerzeugungsanlagen wie Kohle- oder Gaskraftwerke bereits auf ein Minimum reduziert worden sind.
Im Netzgebiet von 50Hertz sind 11 000 Megawatt (MW) Windenergie installiert. Zum Vergleich: Ein Atomkraftwerk hat eine Leistung von 1000 bis 1500 Megawatt. An einigen windreichen Tagen seien 2010 bereits annähernd 10 000 MW, also fast 90 Prozent der verfügbaren Winderzeugung, gleichzeitig am Netz gewesen, so Kamm. Das Problem des Unternehmens: Der grüne Strom wird vor allem im dünnbesiedelten Norden und Nordosten Deutschland produziert. Gebraucht wird er aber im dicht besiedelten und stärker industrialisierten Süden. Bis 2020 plant 50Hertz deshalb Investitionen in den Netzausbau in Höhe von rund 3,3 Milliarden Euro.
Streit um neue Leitungen
Um ihn über weite Strecken zu transportieren werden Höchstspannungsleitungen gebraucht, weil bei ihnen Stromverluste bei der Übertragung geringer sind. Höchstspannung sind Spannungen ab 380 oder 220 Kilovolt. 36 000 Kilometer solcher Leitungen gibt es in Deutschland schon. Die Deutsche Energieagentur hat errechnet, dass 4500 weitere Kilometer gebraucht werden. Eine Zahl, die u.a. der Bundesverband Erneuerbare Energie anzweifelt, weil die Erneuerbaren Energien dezentraler produziert werden. Ähnlich sieht es 50Hertz Transmission. Dieser Ausbaubedarf könnte sich um rund die Hälfte reduzieren, wenn im Bereich der Stromspeicherung und bei neuen Übertragungstechniken Fortschritte gemacht werden, so Volker Kamm.
Weniger Höchstspannungsleitungen bedeuten auch weniger Konflikte, denn in vielen Gegenden regt sich wegen der befürchteten Gesundheitsgefahren Widerstand. Immer wieder fordern Bürgerinitiativen deshalb, dass die Kabel unterirdisch verlegt werden. In dem Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen aus dem Jahr 2009 § 2 ist der Einsatz von Erdkabeln auf der Höchstspannungsebene geregelt. Allerdings nur für vier Pilotvorhaben:
1. Ganderkesee - St. Hülfe der Leitung Ganderkesee - Wehrendorf,
2. Diele - Niederrhein,
3. Wahle - Mecklar,
4. Altenfeld - Redwitz der Leitung Lauchstädt - Redwitz.
Volker Kamm: " Es ist also rein rechtlich kaum möglich, irgendwo in Deutschland jenseits dieser Pilotstrecken Erdkabel zu legen." Sollte sich die Rechtslage ändern, wolle sich das Unternehmen allerdings nicht gegen eine Erdverkabelung sperren. Man nehme die Anregungen der Bürger auf und suche nach ausgewogenen Lösungen im Sinne der Beteiligten.
Kamm weist allerdings auf mögliche technische Schwierigkeiten hin: Bei Erdkabeln habe man es mit unterirdischen Bauwerken zu tun, die mindestens zwei Meter tief in der Erde liegen und über eine Trassenbreite von 25 bis 30 Metern verfügen. Zudem seien die Wartungs- und Reparaturarbeiten bei einem Erdkabel erheblich komplizierter und langwieriger als bei einer Freileitung. Und Erdkabel seien teurer, bei normalen Böden im Flachland drei bis sechsmal so teuer, in hügeligen, gebirgigen oder felsigen Gelände 10 bis 15 Mal so teuer wie Freileitungen.







