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Von Handel, Hehlerei und Auslöschung

Birgit Güll • 18. April 2011

Foto: Landesarchiv Berlin
Profiteur der "Arisierung": Das Auktionshaus "Union", Inhaber Leo Spik, in der Tiergartenstraße 6, um 1935 Foto: Landesarchiv Berlin

Das Berlin der 1920er Jahre war ein Zentrum der künstlerischen Moderne und des Internationalen Kunsthandels. Das änderte sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. "Der einst florierende deutsche Kunsthandel, in dem viele jüdische Händler tätig waren, existierte durch die antijüdische Gesetzgebung binnen weniger Jahre nicht mehr", heißt es im Katalog zur Ausstellung "Gute Geschäfte".

Verfemte und Profiteure

Anhand von 14 Berliner Kunsthandlungen und Auktionshäusern zeigt das Aktive Museum die Auswirkungen nationalsozialistischer Kulturpolitik. Im Berliner Centrum Judaicum ist zu sehen und zu lesen, was eine Arbeitsgruppe akribisch zusammengetragen hat.

Schautafeln erzählen von Schicksalen. Etwa von jenem des Galeristen Alfred Flechtheim, der als Jude und Förderer Moderner Kunst verfemt und ins Exil getrieben wurde. Seine Frau Betti konnte die hohe "Reichsfluchtsteuer" nicht aufbringen und nahm sich 1941, am Abend vor ihrer geplanten Deportation, das Leben.

Je mehr Juden fliehen mussten, desto stärker florierten die Geschäfte der Auktionshäuser. Sie versteigerten komplette Einrichtungen, nicht selten direkt in den verlassenen Wohnungen. Exemplarisch für jene, die sich an der Not der Juden verdingten steht Leo Spik mit seinem Auktionshaus "Union". Als großer Profiteur der "Arisierung" und NSDAP-Mitglied stellte er 1946 Antrag auf Entnazifizierung. 1947 nahm er sein Geschäft unter dem Firmennamen "Leo Spik Kunstversteigerungen" wieder auf, unter dem es noch heute existiert. 1965 erhielt Spik das Bundesverdienstkreuz für Verdienste um das deutsche Auktionswesen.

"Entartete Kunst"

1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten die Bestände moderner Kunst aus mehr als hundert Museen in ganz Deutschland. Ein Teil davon wurde auf der Femeschau "Entartete Kunst" gezeigt. Als "verwertbar" Eingestuftes sollte gegen Devisen ins Ausland verkauft, der Rest vernichtet werden. Bis heute ist ungeklärt, wie viele Werke 1939 bei einer nicht-öffentlichen Verbrennung in der Berliner Hauptfeuerwache zerstört wurden.

Mit dem Verkauf der als "entartet" eingestuften Kunst beauftragt das NS-Regime vier Händler: Ferdinand Möller, Karl Buchholz und Bernhard Böhmer in Berlin, außerdem Hildebrand Gurlitt in Hamburg. Sie profitierten von den Geschäften im Auftrag des NS-Regimes. Gleichzeitig gelangte auf diesem Weg bedeutende Kunst der Moderne ins Ausland und damit in Sicherheit.

Kunst fürs "Führermuseum"

Hitler plante in der österreichischen Stadt Linz, dem Ort seiner Jugend, ein gigantisches "Führermuseum". 1939 wurden Kunstverständige unter dem Code "Sonderauftrag Linz" mit dem Aufbau der Sammlung betraut. Ein Großteil der angekauften, enteigneten oder geraubten Werke lagerte in einem stillgelegten Salzbergwerk bei Altaussee in Österreich.

Eduard Plietzsch, Kunsthändler und - unter dem Pseudonym Jan Altenburg - Publizist pflegte in der Weimarer Republik freundschaftliche Beziehungen zu Künstlern und Literaten wie George Grosz und Kurt Tucholsky. 1940 diente Plietzsch sich den Nationalsozialisten an. Er nutzte seine Kontakte, um versteckte Kunstsammlungen aufzuspüren, die angekauft oder beschlagnahmt wurden. Nach dem Krieg war er als Kunsthistoriker tätig. In seinen Memoiren mochte er sich allerdings nur bis zum Jahr 1933 erinnern.

Geraubte Kunst bis heute in deutschen Museen

Die materialreiche Schau stellt nicht nur die doppeldeutig gemeinten "Guten Geschäfte" vor, zeigt Helden und Hehler, Janusköpfe und Opportunisten. Sie beschäftigt sich auch mit den Auswirkungen der NS-Kunstpolitik auf die Gegenwart. So übernahm die Bundesrepublik 1949 die Aufgabe, die Eigentümer der in Altaussee eingelagerten Kunst ausfindig zu machen. 1962 stellte sie die aufwändige Provenienzforschung und Rückgabe ein. Bis heute ist etwa die Hälfte der eingelagerten Werke als Dauerleihgabe in deutschen Museen.

Erst 1998 verpflichtete sich Deutschland in der "Washingtoner Erklärung" dazu die Restitution fortzusetzen. Eine Herzensangelegenheit ist diese aber noch nicht. Die Kuratorin der Schau, Christina Fischer-Defoy, macht das in einem Interview mit dem "Deutschlandradio" deutlich: Angefragte Museen hätten kein Interesse gehabt, die Schau in ihren Räume zu haben, erzählt sie. Schließlich solle kein öffentliches Interesse darauf gelenkt werden, dass auch sie etwas zurückzugeben hätten.

Im Centrum Judaicum ist die Ausstellung nun zu sehen. "Gute Geschäfte" leistet einen Beitrag dazu, die Dimension der Auslöschung des kulturellen Reichtums durch die Nationalsozialisten deutlich zu machen. Und sie mahnt an, geraubte und enteignete Kunst zurückzugeben. "Dass Institutionen sich dem lautstark oder leise verweigern, erschüttert mich", sagt Fischer-Defoy.

Die Ausstellung "Gute Geschäfte" Kunsthandel in Berlin 1933-1945 wurde von einer Arbeitsgruppe des Aktiven Museums erstellt. Sie ist bis 31. Juli 2011 im Centrum Judaicum Berlin , Oranienburger Straße 28-30, zu sehen. Alle Informationen zum Begleitprogramm gibt's hier.
Der Katalog zur Ausstellung kostet 20 Euro.

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