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„Dieses Buch gehört in die Köpfe“

Stefan Wiechmann • 30. March 2011

(v.l.n.r.) Heinrich Haasis, Franz-Josef Radermacher, Christoph Brüssel, Heiner Geißler und Dieter Härthe. Foto : Redaktion
(v.l.n.r.) Heinrich Haasis, Franz-Josef Radermacher, Christoph Brüssel, Heiner Geißler und Dieter Härthe. Foto : Redaktion

Angesichts der katastrophalen letzten Wochen und Monate sei das Buch ein "Spiegel zum innehalten", sagt Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes, der Radermacher und den Co-Autor Bert Beyers unterstützt. Die globale Finanzkrise, die Revolutionen in Nordafrika und der GAU in Japan hätten eine Gemeinsamkeit: Die Verletzung der Nachhaltigkeit. Hier biete "Welt mit Zukunft" eine Perspektive für nachhaltiges Handeln auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene zugleich, erklärt Haasis.

Ökosozial statt marktradikal

Das Buch käme genau zur richtigen Zeit, meint der ehemalige Bundesminister Heiner Geißler. Es biete nicht nur ein umfassendes Konzept für die Welt von morgen, sondern zeige auch wie dieses zu realisieren sei.

Geißler beklagt, dass die Menschen nach der Finanzkrise erst das Vertrauen in die Wirtschaft und mittlerweile das Vertrauen in die Politik verloren hätten. Letztere müsse sich deshalb genau wie die Wirtschaft globalisieren, eine internationale ökosoziale Marktwirtschaft organisieren und sich das Vertrauen wieder verdienen.

Mehr als ein Traum

Geißler habe vor allem Radermachers Lehrstuhl imponiert. Der Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung hätte mit seinem Buch bewiesen, dass die ökosoziale Marktwirtschaft nicht nur Schwärmerei sei. Es zeige klare Handlungsoptionen und entwerfe mögliche Zukunftsszenarien vom Umweltkollaps bis zum global verankerten Nachhaltigkeitsethos. Dafür wäre eine globale Ordnungspolitik nötig, die die Balance zwischen Wirtschaft, Sozialem und Ökologie garantiert. Ein Blick ins Buch verrät aber, dass es auch ohne globale Weltregierung erste praktische Ansätze gibt.

Energie mit Zukunft

Radermacher und Beyers verweisen auf das Desertec Projekt, in das große Unternehmen wie E.on, Siemens und RWE investieren wollen, um die Solarenergie der Wüsten zu nutzen. Diese würden in sechs Stunden mehr Energie empfangen, als die gesamte Menschheit in einem Jahr verbrauchen könne, wirbt der Desertec Erfinder Gerhard Knies.

Eine weitere zukunftsfähige Energiequelle sei dem "Zeitgeist noch relativ fremd", bemerken die Autoren. Es sei vielen nicht bewusst, dass 99 Prozent unseres Planeten heißer sind als 1000 ° C. Die Erschließung dieser Wärmeenergie könne den Bedarf der Menschheit für Jahrtausende sichern. Neue innovative Schmelzbohrverfahren sollen in der Lage sein diese natürlichen Energiequellen zu erschließen. Das Verfahren sei im Gegensatz zum Desertec Projekt außerdem nicht an bestimmte Regionen gebunden.

Ökonomie mit Zukunft

Nicht nur energiepolitisch geben die beiden Autoren klare Handlungsempfehlungen. Sie schreiben, dass spätestens seit der letzten Finanzkrise sei deutlich geworden, dass eine globale Besteuerung von Finanztransaktionen dringend notwenig sei. Die Tobinsteuer würde wieder innerhalb der G-20 diskutiert. Geißler unterstützt diesen Vorschlag und bekennt sich in diesem Zusammenhang ein Mitglied von Attac zu sein, der Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger.

Die Autoren halten allerdings die leverage money tax, also die Besteuerung von Großkrediten an Kreditnehmer mit besonders gutem Rating für die wichtigste globale Steuer. Mit ihr und einen Steuersatz von 0,5 Prozent wären Einnahmen von 500 Milliarden US Dollar pro Jahr möglich.

Global Marschall Plan

Neben der Finanzierung über die globale Transaktionssteuer verweisen die Autoren auf die Initiative des Global Marschall Plans. In Anlehnung an den Marshall Plan von 1947 zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Europas, soll der Global Marshall Plan eine Anschubfinanzierung für Entwicklungsländer, die an bestimmte Prinzipien gekoppelt ist, darstellen. Diese Prinzipien bestehen aus Regelwerken und bestimmten globalen Standards für Wirtschaft, Sozialem und Umwelt.

Den engen Bezug zu aktuellen Projekten hebt Geißler besonders positiv hervor. Für ihn gehöre "Welt mit Zukunft" nicht nur in die Bibliothek, sondern in die Köpfe aller Menschen, die sich für die Zukunft unserer Welt interessieren.

Franz Jo sef Radermacher u. Bert Beyers "Welt mit Zukunft - Die Ökosoziale Perspektive" Murmann - Verlag 398 Seiten 19,90 ISBN: 978-3-86774-111-8 Link zum Verlag : http://www.murmann-verlag.de/buch/welt-mit-zukunft-0

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