Von insgesamt 100 Departements regiert d
ie "
parti socialiste" nunmehr 58 plus 2. Ein solides politisches Sprungbrett für die Präsidentschaftswahl in einem Jahr, sagt die Linke: Der Rückmarsch
an die Staatsspitze kann zügig beginnen.
Und dennoch: Der zweite Sieger sind die Extremisten der Front National. In den 403 Wahlkreisen, in denen ihre Kandidaten antraten, kam sie im Durchschnitt auf 42 Prozent der Stimmen. Sie
etabliert sich als dritte Kraft in der französischen Parteienlandschaft. Das muss eine Herausforderung zuerst für das Lager der Regierungspartei UMP und für Präsident Nicolas Sarkozy sein, der
kämpfen muss, um seine Truppe zusammenzuhalten. Eine Feinanalyse der Wahlergebnisse ergibt , dass ein Großteil seiner Wähler zum FN-Block abgewandert ist. Im Frühjahr steht Sarkozy die
Präsidentenwahl ins Haus - Meinungsumfragen sagen voraus, dass die blonde, 43 Jahre alte FN-Führerin Marine Le Pen, Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen, ihn schon aus dem ersten
Wahlgang katapultieren könnte.
Hauptziel: Einigung der Linken
Frankreichs oppositionelle Sozialisten dürfen sich freuen. Sie hielten ihre Bastionen, obwohl nur in der Hälfte der über 2000 Kantonen in Frankreich gewählt wurde. Sie gewannen die
Departements Jura und Pyrénées-Atlantique hinzu. Die Chefin Martine Aubry veranlassen die Zugewinne zu einem optimistischen Ausblick: "Die Wahl habe die Tür zu einem Wandel der Politik geöffnet
und wir werden dort stolz hindurchgehen". Ein strategisches Ziel sei die Einigung der gesamten Linken, was eine erhebliche Kraftanstrengung werden dürfte, weil die Interessen der Kommunisten,
linken Mitte und Zentralisten höchst unterschiedlich sind.
Das verhältnismäßig gute Abschneiden ist Nicolas Sarkozy zu verdanken. Er untersagte seiner Partei UMP, für die Stichwahl eine republikanische Allianz gegen die Rechtsextremen zu bilden,
das heißt bei der Wahl zwischen einem Sozialisten und einem Rechtsradikalen in der Stichwahl für den Linken zu stimmen. Etwas verklausuliert bestimmte Sarkozy, keinem der beiden die Stimme zu
geben. Die Mehrheit der Wähler hielt sich nicht daran. Sarkozys Wahlukas hat in seinem Lager viel Unmut hervorgerufen. Für einen Teil der UMP ist ausgemacht, dass der Präsident die FN schonen
und ihr Wählerreservoir für die Präsidentenwahl im Frühjahr 2012 mobilisieren will.
Trumpfkarte Strauss-Kahn
Martine Aubry, 1. Sekretärin der PS, wird bis Herbst ihre Anstrengungen verdoppeln, einen Herausforderer für Sarkozy zu küren. Bisher haben sich der frühere Vorsitzende Francois Hollande
und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal in den Vordergrund geschoben. Aubry selbst schließt für sich eine Kandidatur nicht aus. Im Scheinwerferlicht aber steht
Ex-Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn, derzeit an der Spitze des Weltwährungsfonds in Washington, ein moderater Sozialist, der eher der Sozialdemokratie zugerechnet werden möchte. Er
erwägt zwar eine Bewerbung für die PS, schweig aber beharrlich, weil er den Zeitpunkt für seinen Auftritt noch nicht gekommen sieht. Fast alle Umfragen ergaben bisher, dass er Sarkozy
überzeugend schlagen würde - wenn er denn antritt.
Die Sarkozy nahestehende französische Tageszeitung "Le Figaro" bedauert den Präsidenten: Ihm stehen nach der Kantonalwahl in Zukunft zwei gewichtige Gegner gegenüber, die Linke und die
Rechtsradikalen. "Ist das nicht ein bisschen viel für einen einzigen Mann?", fragt das Blatt säuerlich. Der "Figaro" liefert auch die Antwort: Die meisten Franzosen versichern, dass er bereits
verloren hat. Im Elyséepalast, wo der Staatschef regiert, provoziert die Kritik der Freunde lange Gesichter: Nun wende sich auch das Pariser Hausblatt vom Verlierer ab.







