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Bühne zum Glück

Gero Fischer • 29. March 2011

Foto: Gero Fischer
Foto: Gero Fischer

Junge Menschen auf der Suche nach Orientierung: eine Sängerin, die vom Erfolg träumt, ein Schriftsteller mit Schreibblockade, ein verlassener Angestellter. Eine Einrichtung namens "Glücksfabrik" verspricht ihnen individuelles Lebensglück. "Du musst erfolgreich sein!" und "Du musst Dein Leben ändern!" lauten die Slogans. Statt persönlichem Glück wächst für die jungen Menschen jedoch nur der Erfolgsdruck, der sie zu zermürben droht.

"Das Versprechen", aufgeführt im Prinz-Regent-Theater in Bochum, ist ein Theaterstück über Freiheit und Manipulation in der Leistungsgesellschaft. Ein Plädoyer dafür, sich vom Erfolgsdruck zu lösen und sein eigenes Glück zu suchen. Denn am Ende erkennen die Figuren die Scheinheiligkeit der "Glücksfabrik" und brechen aus ihr aus.

Auf der Suche nach Ausbildung

Das Besondere: Die Darsteller sind selbst junge Menschen auf der Suche nach Orientierung. Keiner von ihnen hat eine Schauspiel- oder Theaterausbildung. Im Gegenteil, sie suchen einen Ausbildungsplatz, zum Beispiel als Bürokauffrau, Erzieherin oder Veranstaltungstechniker. Trotzdem haben sie in fünf Monaten ein eigenes Theaterstück erarbeitet, von der Idee über das Bühnenbild bis zum Text.

Möglich macht es das Projekt JobAct, das die Projektfabrik Witten mittlerweile in über 15 Städten in Kooperation mit den Jobcentern betreibt. Es richtet sich an junge Erwachsene bis 25 Jahre, die arbeitslos sind und ALG II beziehen. Die Theateraufführung ist der Abschluss der ersten Phase von JobAct, zu der auch ein intensives Bewerbungstraining gehört.

Disziplin für das Berufsleben

Im Prinzip ist das Projekt selbst ein "Versprechen". Es soll die Teilnehmer bestmöglich auf die Berufswelt vorbereiten. "Die Disziplin, die man auf der Bühne braucht, ist die gleiche, die man auch im Arbeitsleben aufbringen muss", sagt Theaterpädagogin Hannah Heckhausen. Durch das Schauspiel bekommen die Teilnehmer eine andere Sichtweise auf die eigene Biografie, lernen Selbsteinschätzung und Eigenpräsentation. "Mir ist bewusst geworden, wie ich nach außen wirke, dass ich eine Gruppe auch stimmungsmäßig mitziehen kann", sagt Darstellerin Jaqueline Nottelmann. Ihr Kollege Merlin Baron hat von der Theaterarbeit vor allem eins gelernt: "Wenn es schwierig wird, muss man auch mal improvisieren."

Das Besondere an JobAct ist die theaterpädagogische Herangehensweise. Aus der Improvisation heraus entwickeln die Teilnehmer Thema, Figuren und Text des Stücks selbst. "Schon dabei versuchen wir natürlich, thematisch eine Verknüpfung mit dem Berufsleben herzustellen", sagt Projektleiterin Judith De Matteis. Das Motto: Wer einmal auf der Bühne gestanden hat, tritt auch im Bewerbungsgespräch und im Berufsleben anders auf.

Ein Modell für den "Neustart"

In der zweiten Phase folgt für die Teilnehmer ein fünfmonatiges Praktikum in einem Unternehmen, mit dem Ziel, in ein Ausbildungsverhältnis übernommen zu werden. In der Regel mit Erfolg. Im letzten Jahr hatte das Projekt eine Vermittlungsquote von 85 Prozent. In diesem Jahr haben 11 der 15 Teilnehmer eine Praktikumsstelle mit guter Aussicht auf eine Übernahme als Auszubildende. Auch deshalb läuft JobAct in Bochum schon zum fünften Mal.

Es sei ein hervorragendes Modell für einen "Neustart" junger Erwachsener, sagt Johannes Rohleder vom Jobcenter Bochum, das die Projektfinanzierung übernimmt. "Die Praktikumsphase hat einen hohen Klebeeffekt und hat sich bewährt." Auch für Jaqueline Nottelmann ist klar: "JobAct ist das Beste, was mir passieren konnte!" Einen Ausbildungsplatz hat sie schon sicher - sie wird Theaterpädagogin.

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