Nach wie vor gilt die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse als Sensation während der mehrtägigen Fachausstellung. Diese wiederum spiegelt den Frühjahrsbetrieb des deutschen Buchmarkts wider und fungiert als Gratmesser für die Frankfurter Buchmesse im Herbst. Der Preis der Leipziger Buchmesse ist also ordentlich gewichtet, weit über sein Preisgeld von 15.000 Euro hinaus.
Doch während frühere Preisträger wie Ingo Schulz (2007) und Clemens Meyer (2008) noch von der Auszeichnung profitierten, blieb bei späteren Verleihungen die Strahlkraft aus. Weder Sibylle Lewitscharoff (2009) noch Georg Klein (2010) konnten sich durch den Preis eines gesteigerten öffentlichen Interesses oder einem Erfolg auf dem Buchmarkt erfreuen.
Ist der Preis der Leipziger Buchmesse in den Niederungen der Wirtschaftskrise steckengeblieben oder nur in der deutschen Literaturlandschaft angekommen, wo er lediglich einer unter vielen ist?
In diesem Jahr waren im Bereich Belletristik fünf eher schwache Romane nominiert. Zu den vorgeschlagenen Autoren zählten Wolfgang Herrndorf ("Tschick") und Arno Geiger ("Der alte König in seinem Exil"), beides gestandene Bestsellerautoren, deren Romane viel gelesen werden. Gleiches gilt mit leichten Abstrichen auch für den Schweizer Peter Stamm ("Seerücken"). Anna Katharina Fröhlich und Clemens J. Setz hingegen sind zwar hochdekoriert mit allerhand Preisen, außerhalb des Literaturbetriebes allerdings weitestgehend unbekannt.
Preis für Vater-Kind-Konflikt
Genau an letzteren wurde nun der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Statt also das längst überfällige Lob an einen etablierten Autor zu richten, wurde die Aufmerksamkeit auf den
28jährigen Nachwuchsautor aus Graz gelenkt. Zwei Romane und drei Preise kann Setz bisher vorweisen. Die jüngste, vierte Auszeichnung würdigt nun seinen aktuellen Erzählband mit dem ungelenken, an
Gabriel García Márquez' Roman "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" erinnernden Titel "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes".
Es geht in Setz' Geschichten um den ewiggleichen Vater-Kind-Konflikt, mit Gewaltexzessen und ironischer Beschreibung zu einem generellen Gesellschaftsphänomen verallgemeinert. Nichts Besonderes eigentlich, befanden die Kritiker im Vorfeld. Auch nichts, was unter den anderen Nominierten großartig herausstach, denn die "Vater-Morgana" (Die Zeit) war das bevorzugte Thema der auserwählten Autoren. Der Jury um Verena Auffermann sagte diese Pubertätsmisere jedoch zu. "Täuschende Nachbarn, Prügelorgien der Kunst, verrückende Maschinen - diese Erzählungen locken den Leser in ein Labyrinth aus Zärtlichkeit, Gewalt, Liebe und Gemeinheit."
Zum Durchbruch auf dem Büchermarkt wird der Preis der Leipziger Buchmesse trotz der überschwänglichen Laudatio auf Clemens J. Setz nicht beitragen können. Dafür ist der prämierte Erzählband zu schwach. Und der Preis inzwischen auch.
In der Kategorie Sachbuch/Essayistik gewann Henning Ritter mit "Notizhefte". Der Preis für die beste Übersetzung ging an Barbara Conrad, die Lew Tolstois "Krieg und Frieden" neu aus dem Russischen übertrug.
Die Sieger des Preises der Leipziger Buchmesse 2011 - Clemens J. Setz (Belletristik), Barbara Conrad (Übersetzung) und Henning Ritter (Sachbuch) Foto: Leipziger Messe GmbH / Norman
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