Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - dieses sozio-ökonomische Prinzip, auch etwas kompliziert Gleichbehandlungsgrundsatz genannt, gilt auch in Frankreich. Seit 1972 ist Zeitarbeit erlaubt, seit 2005 dürfen französische Zeitarbeitsunternehmen auch private Vermittlung anbieten. Die Pariser Nationalversammlung hat das entsprechende Gesetz Mitte 2009 gebilligt.
Der Anteil der Zeitarbeit an der Gesamtbeschäftigung beträgt in Frankreich heute etwa 2,5 Prozent. Im Jahr 2007 - das ist die letztbekannte Vergleichszeit - waren in der Grande
Nation mehr Zeitarbeiter (638.000) tätig als in Deutschland (etwa 610.000). Ein Drittel war unter 35 Jahre alt, im Nachbarland am Rhein unter 37 Jahre. Dreiviertel waren männliche Arbeitnehmer.
Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit
In einigen in Paris veröffentlichten Studien wird behauptet, der französische Arbeitskollege verdiene mehr als der deutsche. Das ist richtig. Zum Beispiel erhält der Zeitarbeiter einen
Lohnzuschlag zur Bruttolohnsumme von 10 Prozent, der Flexibilitätsprämie genannt wird. Zusätzlich erhält er ein branchenbezogenes Weiterbildungsgeld, um Phasen der Arbeitslosigkeit zu
überbrücken. Dieser Fonds wird aus Abgaben der Zeitarbeitsunternehmen finanziert. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass in Frankreich das Motiv von Personalkostensenkungen im
Gegensatz zu Deutschland keine wichtige Rolle spielt.
Franzosen in dieser Beschäftigungsbranche fühlen sich nicht als "Tagelöhner der neuen Arbeitswelt". Flexibilitätsprämie und Weiterbildungsgeld sehen sie als einen garantierten
Ausgleich für eine unsichere Beschäftigung. Der französische Leiharbeitsmarkt ist zweifellos stärker reguliert als der deutsche, der Grundsatz des "Equal pay for equal work" wird jedoch in
Frankreich höher gehalten und vielleicht auch - allein durch den öffentlichen Druck der Massengewerkschaften - politisch stärker respektiert als beim deutschen Nachbarn. Leitarbeitnehmern stehen
folglich die gleichen Löhne und Arbeitsbedingungen zu wie Stammarbeitskräften. Fachleute sagen, dass die Leiharbeit weiter an Bedeutung und Gewicht gewinnen werde. Allein schon aus dem Grunde,
dass sie für unzureichend ausgebildete Menschen die einzige Perspektive sei, überhaupt in ein Arbeitsverhältnis zu
kommen.
Wenn Unternehmer mauern
Ob in allen Branchen die gleichen Gehälter wie an Festangestellte gezahlt werden ist schwer festzustellen: Unternehmen lassen sich nicht gern in die Karten ihrer Lohnpolitik schauen und
Gewerkschaftssprecher haben oft wenig Ein- und Überblick über die Anstellungsbedingungen der Leiharbeitskräfte. Die höchste Zeitarbeitsquote in Frankreich findet sich in der Autoproduktion mit
11 Prozent und im Baugewerbe mit 7,6 Prozent. Aber bei beiden Industriezweigen werden Statistiken nicht gern herausgegeben. Firmenbosse sind bereit, allenfalls das Ende der schweren
Wirtschaftskrise zu bestätigen, und sie erinnern sich auch, dass beim Ausbruch der Krise die Leiharbeitnehmer als erste entlassen worden sind. Neue Arbeitsplätze gibt es fast nur wieder als
Leiharbeit.
Und ein Zitat macht in den Spalten der französischen Zeitungen immer wieder die Runde, das die eingeschränkte und fragile Gleichbehandlung auf dem Sektor der Zeitarbeit widerspiegeln
soll. Der leitende CGT-Gewerkschaftler Denis Rayer sagte auf der Europäischen Tiefdruckkonferenz 2007: Equal pay ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, die Realität aber sieht leider anders
aus!"







