Artikel (Archiv) > "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen!"

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Internationaler Frauentag

"Wir dürfen jetzt nicht nachlassen!"

Henrike von Platen • 08. March 2011

Foto:  Barney O`Fair/pixelio.de
Foto: Barney O`Fair/pixelio.de

Der internationale Frauentag wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Damals ging es um die grundsätzliche Teilhabe von Frauen am politischen Leben, heute sind wir schon einen großen Schritt weiter. Längst dürfen Frauen wählen und sind in die Parlamente eingezogen, die Hälfte aller Universitätsabsolventen sind inzwischen weiblich, der Ehemann bestimmt nicht mehr allein über Frau und Kinder und seit 1994 verlangt der Gleichstellungsartikel im Grundgesetz, dass der Staat die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern aktiv fördert. Na also! Dann können wir uns doch zurücklehnen und auf das Erreichte zurückblicken. Oder doch nicht?


Nein, denn von einer echten Gleichstellung von Frauen und Männern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kann auch 100 Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag nicht die Rede sein. Nach wie vor verdienen Frauen in Deutschland rund ein Viertel weniger als Männer. Steuer- und Sozialversicherungssysteme unterstützen auch heute noch die veralteten und unzeitgemäßen Rollenbilder des meist männlichen Allein-Verdieners und der meist weiblichen Hinzuverdienerin. Frauen übernehmen noch immer den Löwenanteil der Familien- und Pflegearbeit - und das auch, wenn beide Partner Vollzeit berufstätig sind. Von Frauen dominierte Berufe werden schlechter bezahlt und bieten kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Und nach wie vor sind Frauen in den Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft so gut wie nicht vertreten. Laut aktuellem DIW-Managerinnen-Barometer hatten 2010 mehr als 90 Prozent der 100 größten Unternehmen nicht eine einzige Frau im Vorstand. Die Männerquote in den Vorständen der 200 größten Unternehmen lag im vergangenen Jahr bei 96,8 Prozent. All dies führt dazu, dass Frauen noch immer weniger verdienen, weniger einflussreich sind und kleinere Vermögen haben als Männer.


Wir brauchen Aktionstage, die diese Missstände sichtbar machen. Auch 100 Jahre nach dem ersten Frauentag ist Aufklärung, Aufmerksamkeit und Bürgerbeteiligung wichtiger denn je. Denn ohne Öffentlichkeit und Druck wird sich nichts verändern. Freiwillig werden Geld, Macht und Einfluss nicht geteilt.


2008 haben wir, die Business and Professional Women (BPW) Germany, deshalb den Equal Pay Day aus den USA nach Deutschland geholt. Damit rücken wir jährlich ein ganz besonderes Problem in den Fokus, nämlich dass Frauen immer noch 23 Prozent weniger verdienen als Männer - und das, obwohl sie so gut ausgebildet sind wie nie zuvor. Schon im ersten Jahr nahmen mehr als 6.000 Frauen und Männer an den bundesweiten Veranstaltungen teil, im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 70.000 Männer und Frauen, die eigene Aktionen organisierten, sich informierten und teilnahmen. Das Interesse an und die Empörung über ungleiche Bezahlung und deren Ursachen ist ungebremst. Entgeltungleichheit und Gehalt? Das war bis dahin ein Thema, über das man nicht gesprochen hat - und Frauen schon gar nicht. Der diesjährige Equal Pay Day steht ganz im Zeichen von Rollenstereotypen unter dem Motto "Mannsbilder? - Weibsbilder? - Neue Bilder!". Denn ein zukunftsfähiges Deutschland kann nicht in althergebrachten Rollenbildern verhaftet bleiben. Wir brauchen neue, zeitgemäße Bilder von Frauen und Männern, gleichberechtigte Teilhabe und vor allem gleiche Bezahlung.


Auch 100 Jahre später ist die internationale Frauenbewegung aktuell wie eh und je. Wir haben viel erreicht. Bis zu tatsächlicher Gleichberechtigung in allen Bereichen haben wir aber noch einen weiten Weg vor uns. Um das fortzusetzen, was unsere Urgroßmütter begonnen haben, dürfen wir jetzt nicht nachlassen, uns für gleiche Chancen für Frauen und Männer einzusetzen.

Henrike von Platen, Präsidentin des Netzwerks Business and Professional Women Germany (BPW); Foto: BPW Die Unterschriftenaktion zum EPD "Mannsbilder? - Weibsbilder? - Neue Bilder!" können Sie gleich online unterzeichnen.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Westend Verlag

Icon Rezension; Jürgen Roth: „Gazprom – Das unheimliche Imperium"

Putins unheimliches Imperium

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

Cengos (Abdullah Ado) Kindheit endet mit schmerzhaften Verlusterfahrungen.

Icon Film der Woche: Mes – Lauf!

Der stumme Schrei nach Leben

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt