Bei einer den "SPD-Praxistag" abschließenden Expertenkonferenz unterstrich der von den mit Patienten und Pflegern
gemachten Erfahrungen tief beeindruckte Gabriel: "Wir müssen die Attraktivität der Pflegeberufe steigern und dem Fachkräftemangel entgegen
wirken."
Der Abgeordnete hatte zunächst den Vormittag in einer Einrichtung der AWO mit psychisch erkrankten Menschen in Wolfenbüttel zugebracht. "Ein
gebrochenes Bein wird in unserer Gesellschaft eher akzeptiert als eine gebrochene Seele", musste er dabei feststellen. Nur zu oft würden sich die
so Erkrankten schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und für die Hilfesuchenden gäbe es zu wenig Angebote - in Wolfenbüttel mit seinen rund
50000 Einwohnern können in einer einzigen Einrichtungen gerade einmal 15 Menschen betreut werden, und dieses auch nur werktags am Vormittag.
In Salzgitter arbeitete Gabriel einige Stunden in einem Alten- und Pflegeheim der AWO bei der Betreuung von Demenzkranken mit. Sein Eindruck
dabei: den engagierten Pflegerinnen und Pflegern steht einfach viel zu wenig Zeit zur Verfügung, um mit den Menschen zu reden und sie optimal zu
betreuen.
"Der Anstand einer Gesellschaft misst sich am Umgang mit Kindern und am Umgang mit Alten und Pflegebedürftigen", fasste Gabriel zusammen. Auch
deshalb habe man mit dem SPD-Praxistag, an dem bundesweit über 200 sozialdemokratische Politiker teilnahmen, den Startschuss für eine künftig
noch viel intensivere Beschäftigung mit dem Problem gegeben. "Wir wollen den Blick der Öffentlichkeit verschärft auf das Thema Pflege und auf die
Situation der Pflegeberufe lenken", so der Abgeordnete, denn: "Nur so kann sich etwas ändern."
Der Vorsitzende des Präsidiums der Arbeiterwohlfahrt, Wilhelm Schmidt, der Gabriel auf allen Stationen begleitet hatte, lobte die SPD ausdrücklich für
den "beispielhaften Vorgang". Bei dem "gesellschaftlichen Megathema" Pflege sei extrem viel zu tun - die Zahl der Pflegebedürftigen werde in den
nächsten 20 Jahren von 2,4 auf 3,5 Millionen steigen und deshalb seien künftig viel mehr Pfleger sowie ein besserer Pflegeschlüssel nötig. Das alles erfordert deutlich mehr Geld und eine
solidarische Anstrengung aller.







